Dividendensaison 2013: Aktie schlägt Sparbuch

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01. März 2013, 01:14 Uhr

Hamburg | Ob Sparbuch, Tagesgeld oder Bausparvertrag: Anleger, die 2013 nur auf Sicherheit setzen, haben es schwer. Die Inflation ist höher als der Zinsertrag. In den ersten Wochen des Jahres ist deshalb so viel Geld wie lange nicht mehr in die Aktienmärkte geflossen. Stark gefragt: Papiere mit hoher Dividende. DAX-Unternehmen werden 2013 durchschnittlich 3,4 Prozent Dividendenrendite zahlen. Insgesamt 28,5 Milliarden Euro.

Experten mahnen jedoch zur Vorsicht. Trotz der Euphorie sollte der Anleger auf eine sinnvolle Verteilung seines Vermögens achten. Der Markt sei mit Liquidität überschwemmt, die irgendwann von den Notenbanken zurückgefahren werde, "das wird früher oder später auch die Aktienmärkte treffen", warnt Stephan Witt von "Finum.Private Finance AG" in Hamburg. Im Moment werde in die Aktien investiert, weil das Zinsniveau so niedrig ist und nicht wegen der gutem wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens, so der Analyst.

Beim Dax sind es zwischen 30 und 50 Prozent des Gewinns nach Steuern, die an die Aktionäre fließen. Nicht alle Dax-Unternehmen sind gleich attraktiv, wie die ersten Hauptversammlungen zeigten. Die Thyssen-Krupp AG strich die Dividende nach einem katastrophalen Geschäftsjahr gleich ganz. "Ein Negativbeispiel ist die Deutsche Telekom, die zum Teil die ausgezahlten Dividenden nicht erwirtschaftet hat", unterstreicht Lothar Koch, Vermögensverwalter aus Langballig.

Aber: Eine Aktie nur nach dem Kriterium Dividende auszuwählen, ist der falsche Ansatz. "Eine Aktie schwankt in ihrem Kurs. Was bringt mir die hohe Dividende, wenn ich auf der anderen Seite hohe Kursverluste erleide", meint Witt. Das zeige zum Beispiel die Entwicklung bei den Energieversorgern Eon oder RWE.

Aktienkurse könnten wie-der sinken, das Sparbuch nicht. Doch der Preis für diese Sicherheit ist hoch: Gerade einmal 0,2 Prozent gibt es auf dem Sparbuch, das laut Zinsexperte Uwe Döhler von der Stiftung Warentest bei älteren Bürgern immer noch als "Hort der eisernen Reserve" gesehen wird. Bei neuen Lebensversicherungspolicen gleicht der Garantiezins die erwartete Inflationsrate ebenfalls nicht mehr aus. Wem die Differenz zwischen Zins und Inflationsrate auf den ersten Blick nicht allzu hoch erscheint, täuscht sich. Kauft ein Bürger aktuell zinslose zweijährige Bundesschatzanweisungen im Wert von 10 000 Euro, erhält er am Ende zwar sein Geld komplett zurück, die Inflation zehrt jedoch am Vermögen. Am Ende ist es nur noch rund 9600 Euro wert. Noch weitaus verheerender sieht die Situation für diejenigen aus, die aktuell in Lebensversicherungen investieren. "Bei diesen 20 oder 30 Jahre laufenden Policen wird das Thema Inflation zum Drama, denn diese vermeintlich sichere Geldanlage wird zum garantierten Kapitalvernichtungsinstrument", sagt Andreas Feiden von der Vermögensverwaltung Fidelity.

"Für langfristig entbehrliches Geld sind Anlagen in dividendenstarke Aktien eine Alternative", sagt Koch. Wer nur kleinere Beträge zur Verfügung hat, könne in einen Fonds investieren, der eine Dividendenstrategie verfolgt. Und trotz kräftiger Kursgewinne in 2012 sehen die meisten Aktienexperten noch Potenzial nach oben.

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