Besondere Worte

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01. Februar 2013, 01:14 Uhr

Nicht nur Adel verpflichtet, auch Klassik. Der kommerzielle Musiksender will sich vornehmer geben als die gebührenfinanzierte Konkurrenz. Im musikalischen Teil haben Mozart, Beethoven und Brahms festgelegt, wie ihre Werke dargeboten werden sollen. Aber beim Wort gibt es Handlungsspielräume. Muss die Nachrichtenredaktion melden, dass das neue Gesicht der FDP zum Sexismus-Vorwurf nichts sagen möchte, kann es heißen: Brüderle schweigt. Die Klassik-Leute berichten, Brüderle habe "sich ausgeschwiegen". Doch gerade will man vornehm klingen, kündigt der Moderator an, das Orchester spiele "unter Simon Rattle".

Schon meldet sich der Außenminister Westerwelle mit seiner Tageswarnung. Man dürfe in der Beziehung mit Ägypten "den Gesprächsfaden nicht ausdünnen". Kurz zuvor hatte der Bundespräsident die Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschusses "hinter verschlossenen Türen" zu einem Gespräch empfangen. Diese ebenso sinnlose wie falsche Phrase dient dazu, einem an und für sich unbedeutenden Ereignis etwas Geheimnisvolles anzuheften. Bei jeder Verhandlung werden die Türen geschlossen, weil es anderenfalls zieht und nicht jeder mithören muss. Verschlossen werden die Türen selten. Und dann der "richtige Weg". Auf ihm muss mächtiger Betrieb herrschen. Treffen sich dort zwei Politiker, gilt einer als "Geisterfahrer", obwohl er auch auf dem "richtigen Weg" ist, eben nur in eine andere Richtung.

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