zur Navigation springen

WIR SCHENKEN HILFE : Lübecker Schüler werden fit fürs Netz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bildungsprojekt Webitur schult Kinder und Jugendliche im Umgang mit dem World Wide Web. Drei Stiftungen kooperieren bei der Finanzierung.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 14:42 Uhr

Lübeck | Rund 4500 Lübecker Schüler werden ab heute fit für das Internet gemacht – mit Hilfe von Webitur: In dem Bildungsprojekt geht es um die Vermittlung von Medienkompetenz und Kenntnissen über die Sicherheit in Online-Netzwerken. Alle sieben Gymnasien der Hansestadt an der Trave sind daran beteiligt sowie fast alle Gemeinschaftsschulen.

Tatsächlich können PCs oder Laptops in Kinderzimmern zu Spionen werden oder ihre Nutzer in kriminelle Machenschaften verwickeln, möglicherweise auch zu Mobbing-Opfern in sozialen Netzwerken werden lassen. Der Umgang mit dem Internet birgt Gefahren – nichts desto trotz gehört er zum Alltag und ist unverzichtbar für die Lebensgestaltung der meisten Menschen.

Das jetzt anlaufende Lübecker Webitur-Projekt ist bislang einmalig in Norddeutschland. Und dies nicht nur, weil nahezu alle Schulen einer Großstadt daran teilnehmen, sondern vor allem, weil es auf private Anregung initiiert wurde und durch eine Kooperation von gleich drei gemeinnützigen Lübecker Stiftungen finanziert wird. Die Idee zu diesem auf sechs Monate angelegten Schulprojekt entstand während einer Sicherheitsüberprüfung der IT-Netzwerke beim Versicherungskontor Martens & Prahl. „Wir haben dabei gut abgeschnitten“, erklärt Mitarbeiter Holger Mardfeldt, „haben aber auch gemerkt, dass es kleinere Sicherheitslücken gab, die uns bis dahin nicht aufgefallen waren.“ Ein Umstand, der dazu führte, dass Martens & Prahl jetzt dazu beitragen wird, Schüler in sicherheitsrelevanten Aspekten des Internets schulen zu lassen – damit die daraus vor allem ein Stück Selbstschutz ableiten können.

Tatsächlich sind Menge und Qualität des Informatik-Unterrichts an deutschen Schulen sehr unterschiedlich. Selbst Schüler weiterführender Stufen bekommen mitunter keine oder nur wenig IT-Kenntnisse vermittelt. Diesem Mangel begegnet man in Lübeck jetzt mit dem Webitur. Zum Abschluss der Schulung muss jeder Teilnehmer eine Online-Prüfung ablegen.

Ermöglicht wird dieses Bildungsprojekt durch die Kooperation von drei gemeinnützigen Lübecker Stiftungen – denn der Lehr- und Sachaufwand für diese Schulung ist enorm. Neben der Possehl Stiftung und der gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck wird das Webitur auch durch die private Michael Haukohl-Stiftung finanziell gefördert. Derartige Kooperationen im Stiftungsbereich sind bislang eher selten: Die Zusammenarbeit belegt, dass die Stiftungen an der Trave insbesondere Bildungsprojekte sehr ernst nehmen.

Die gelungene Finanzierung ist aber nur ein Teil des Erfolgs, denn ohne engagierte Lehrer und Trainer geht es natürlich nicht. Frank Poetzsch-Heffter vom Lübecker Katharineum fungiert beim Webitur in seinem Gymnasium als Koordinator, ist aber ebenfalls Ansprechpartner für die anderen beteiligten Schulen. Poetzsch-Heffter stellt als Informatik-Lehrer regelmäßig fest, dass die Kenntnisse im Umgang mit dem Internet bei den Schülern sehr unterschiedlich sind. „Neben sehr erfahrenen Jugendlichen gibt es auch viele mit nur geringen Kenntnissen. Dies hat oft auch damit zu tun, dass die finanzielle Situation in den Familien die Anschaffung von Laptops oder Tablet-Computer nicht zulässt.“

Während der heutigen Auftaktveranstaltung in der Lübecker Musik- und Kongresshalle werden die Schüler und deren Eltern durch IT-Experten mit dem Vortrag „Fun und Risk im Internet“ auf das Webitur eingestimmt. Live wird dort demonstriert, welchen Gefahren Eltern und deren Kinder im Netz ausgesetzt sind und wie sich dagegen schützen können. Themen der Vorträge sind Hacking-Attacken, E-Mail-Manipulationen, Cybermobbing oder auch Gefahren beim Online-Banking.

Die weitere Unterrichtung erfolgt später in den Klassenräumen und schließt im nächsten Frühjahr mit der Online-Prüfung zum Webitur ab. Das Webitur „wird Schule machen“ – davon sind die beteiligten Stiftungen überzeugt.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen