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Ferring-Stiftung: Das Friesische bewahren

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 12:40 Uhr

Alkerserum | Das ist Sprachforschung in ganz besonderer Form: Regelmäßig einmal im Monat treffen sich gut ein Dutzend überwiegend ältere Damen in der Ferring-Stiftung in Alkersum auf Föhr. Kuchen und Torten werden aufgetischt, an der Kaffeetafel werden fröhliche Gespräche geführt. Aber dieses Treffen ist kein übliches Kaffeekränzchen von Inseldamen, es wird nämlich auch ernsthaft gearbeitet. Da geht es dann um Begriffe und Sätze wie „werke di man ei uun’t blud“ – was so viel heißt wie „Überanstrenge dich nicht beim Arbeiten“ – oder auch „hi dee ’ar wat am“ (Er gibt sich Mühe mit der Sache).

Jawohl, es geht um das Friesische, genauer gesagt um Redewendungen und Sprichworte dieser Sprache, die ja auch noch deutliche regionale Färbungen kennt. Die Inseldamen erarbeiten gemeinsam mit Stiftungs-Vorstand Professor Volkert Faltings sowie Sprachlehrer und Archivar Reinhard Jannen ein neues Wörterbuch, das sämtliche friesischen Redewendungen erfassen soll. Bereits seit fünf Jahren läuft das Projekt, mit dem Abschluss wird 2015 gerechnet.

Das neue Sprichworte-Buch gehört zu den wissenschaftlichen und literarischen Veröffentlichungen, die mit Unterstützung der Ferring-Stiftung entstehen. Die Aktivitäten der Stiftung sind so vielfältig wie die Stiftungsziele, die einst von Gründer Frederik Paulsen (Foto) formuliert worden waren. Es geht um friesische Kultur und Sprache, um die Erforschung der Küstengewässer, aber es geht auch um spezielle medizinische Projekte, die sich etwa mit der Neuro-Endokrinologie, also der Verknüpfung des Hormon- mit dem Nervensystem, befassen.

Gegründet wurde die gemeinnützige Stiftung 1988 von Frederik Paulsen, der auf gesichertem wirtschaftlichen Fundament eine Institution schaffen wollte, die sich auf Dauer um die Bewahrung der friesischen Sprache und Kultur auf Föhr und in Nordfriesland bemüht. Der Stifter erblickte 1909 in Dagebüll das Licht der Welt, beide Elternteile stammten jedoch von Föhr. 1935 musste Paulsen vor den Nazis nach Malmö in Schweden fliehen. Dort legte er mit seinen Forschungen am menschlichen Hormonsystem die Grundlage für die Gründung seines Unternehmens, dass mit seinem Namen Ferring die Wurzeln zur Insel unterstreicht. Mit Ferring wird auf Föhr die friesische Sprache bezeichnet, die auf Amrum Öömrang heißt.

Nach dem Rückzug aus der Unternehmensleitung kehrte Frederik Paulsen nach Föhr zurück. Er ließ sich in Alkersum nieder, wo er 1997 verstarb. Neun Jahre zuvor hatte der Pharmazie-Unternehmer seine Stiftung gegründet. Bemerkenswert sind aber nicht nur die wissenschaftlichen Leistungen der Stiftung, sie leistet auch praktische Lebenshilfe. Nahezu jeden Tag kommt eine Anfrage, meist aus Übersee, nach möglichen Vorfahren auf der Insel Föhr ins Haus. Es erweist sich als Vorteil, dass die Stiftung über gutsortierte Archive verfügt und über eine riesige Fotosammlung mit rund 100 000 historischen Aufnahmen von Insel und Bewohnern.

Die alten Fotos der Insulaner werden sorgfältig gescannt, identifiziert und archiviert. Karin Lambertsen, eine Föhrerin mit New Yorker Wurzeln, hilft, familiäre Verbindungen aufzudecken. Die Föhrer waren als Seefahrer und auch als Auswanderer (vor allem in die USA), bekannt und geachtet, viele von ihnen kehrten später wieder zurück nach Föhr. Die Ferring-Stiftung leistet einen großen Beitrag, dass die außergewöhnliche Geschichte einer Insel und ihrer Menschen für die Zukunft gesichert wird.

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