Andrea Wittmann im Interview : „Die Angebote dienen Familien und Unternehmen“

Andrea Wittmann, die Erste Vorsitzende des Stiftungsrats, redet im Interview über die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung.

shz.de von
24. Juni 2014, 16:45 Uhr

Frau Wittmann, was hat den Anstoß zur Gründung der Stiftung Beruf und Familie gegeben?
Im Grunde ist es die Erkenntnis gewesen, dass Unternehmen eine gesellschaftliche Verpflichtung haben, sich um ein gedeihliches Miteinander von Berufswelt und Familienleben zu bemühen.

Welches Ziel hat sich die Stiftung gesetzt?
Sie will verschiedene Angebote machen, Kindernotfall- und Ferienbetreuung sind nur erste Schritte, um die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie zu verbessern. Später soll es auch um Pflegebetreuung oder Seniorenarbeit gehen.

Wie gut wird die Stiftung von den Unternehmen angenommen?
Sehr gut. Der demographische Wandel und der Fachkräftemangel sind Entwicklungen, die sich zunehmend auch negativ bei der Besetzung von qualifizierten Arbeitsplätzen bei den hiesigen Unternehmen auswirken. Dies fordert allen Betrieben innovative Ideen und Maßnahmen ab, um auch künftig als attraktiver Arbeitgeber freie Arbeitsplätze qualifiziert besetzen zu können.

Welche Unternehmen beteiligen sich an der Stiftung Beruf und Familie?
Gegründet wurde die Stiftung von zehn Unternehmen aus dem Kreis Bad Segeberg und der Stadt Neumünster, sowie drei weiteren Firmen als Förderer. Zu den Gründern gehörten Großunternehmen wie Danfoss Power Solutions, Voigt-Logistik oder das Holzunternehmen Jorkisch aus Daldorf. Genauso wie etliche kleinere Unternehmen, da seien an dieser Stelle beispielsweise die Werbeagentur in.medium oder die Ring-Apotheke in Neumünster genannt. Das jüngste Mitglied des Fördererkreises ist die Unternehmensberatung Tutor-Consult.

Seit 2013 bietet die Stiftung im Rahmen eines ersten Handlungsbereiches die sogenannte Kindernotfallbetreuung an. Was verbirgt sich dahinter?
Wenn die Regelbetreuung eines Kindes ausfällt, setzt unsere Kindernotfallbetreuung ein. Als Beispiele seien genannt: ein unangekündigter Streik im Kindergarten oder die Erkrankung einer Tagesmutter. Dann setzt die Notfallbetreuung ein, die innerhalb von zwei Stunden die Betreuung des betroffenen Kindes übernimmt.

Welchen Vorteil hat diese Betreuungsmaßnahme für die Unternehmen?
Kein Arbeitnehmer wird seinen vollen Einsatz leisten können, wenn unklar ist, ob es seiner Familie beziehungsweise den Kindern gut geht. Die Kindernotfallbetreuung hilft also sowohl dem Arbeitnehmer wie auch dem Unternehmen. Das Kind ist gut versorgt, wird qualifiziert betreut, und der Arbeitnehmer kann von dieser Sorge unbelastet seiner Tätigkeit nachgehen.

Wer setzt die Notfallbetreuung für die Stiftung praktisch um?
Dies machen qualifizierte Kräfte der Diakonie Altholstein. Die Diakonie ist nicht nur unser operativer Partner, sondern auch Gründungsmitglied der Stiftung. Betreut werden die Kinder in den drei Betreuungstützpunkten in Neumünster, Bad Segeberg und Henstedt-Ulzburg – oder aber auch unmittelbar bei ihnen zu Hause. Ganz wie gewünscht und notwendig.

In welchem Maß wird dieses neue Angebot von den Arbeitnehmern angenommen?
Zunehmend besser. Es ist völlig klar, dass wir erst zu den Betrieben und Arbeitnehmern durchdringen müssen. Aus diesem Grund werben wir auch intensiv für unsere Stiftung und deren Arbeit.

Wann wollen sie weitere Stiftungs-Ziele, wie beispielsweise die Seniorenbetreuung, umsetzen?
Sobald wie möglich. Im Moment sind wir jedoch mit den Bereichen Kindernot- und Ferienbetreuung ausgelastet. Auch muss die Stiftung noch wachsen, von daher sind weitere Stifter und Förderer jederzeit willkommen.

Interview: Wolfgang Henze

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