Aktion "So spricht Schleswig-Holstein" : Was für ein schönes Buch, da freu‘ ich mich zu

"Das is doch Sünde!" - Wussten Sie, dass diese Redewendung aus dem Dänischen stammt? Und, dass die Norddeutschen neben "Tschüss" noch ganz andere Wörter gen Süden exportieren?

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09. April 2011, 01:29 Uhr

Ich kenne Leute, die brechen spontan in Lachen aus – einige sind auch erschrocken, wenn sie Sätze von dieser Art hören: "Was, der ist umgezogen, da weiß ich nichts von." Oder: "So wenige Fehler in der Arbeit! Da lach‘ ich doch über."
Wer aus dem hochdeutschen Süden Deutschlands kommt, der ist davon überzeugt, dass diese Sätze grammatisch falsch sind und der Sprecher der deutschen Sprache nicht ganz mächtig ist. In der mündlichen Sprache – selten im Schriftlichen – wird er sich hier im Norden an diese Klammern, die den Satz umfassen, gewöhnen müssen. Und damit sind wir schon bei den Gründen für diese sprachliche Besonderheit. Sie ist nur im Norden zu finden, der Hintergrund hierfür ist das Niederdeutsche: Dor freu ik mi to. Dor weet ik nix vun (af). Dor lach ik över.
"Das mit Ellis Grippe, das is doch Sünde, nich?"
Und wenn dann noch das Dänische wie beim Flensburger Petuh eine der sprachlichen Wurzeln ist, dann kommen abenteuerliche Sätze zustande, die wohl außerhalb Flensburgs kaum noch jemand versteht: Das mit Ellis Grippe, das is doch Sünde, nich? Dänisch: Det er synd – das ist schade.
Das Hochdeutsche ist in den Norden als Fremdsprache gekommen. Es hat sich aber seit dem 16. Jh. immer mehr durchgesetzt und ist die (be)herrschende Sprache geworden. Aber vieles am Hochdeutschen unserer Region zeigt im Wortschatz, der Aussprache oder dem Satzbau die Spuren der ursprünglich verbreiteten plattdeutschen Sprache. Nach diesen typischen Spuren des Plattdeutschen im Hochdeutschen suchen wir mit dieser Aktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages. Ebenso suchen wir nach typischen plattdeutschen Wörtern und Wendungen.
Was meinen Sie, was ein Süddeutscher versteht, wenn wir sagen: Die Wasserleitung leckt. Er wird fragen: Woran? Denn für ihn tropft eine Wasserleitung. Im Plattdeutschen leckt das Fass oder die Milchtüte.
Und einige norddeutsche Wendungen erobern den Süden zurück, so das norddeutsche "Tschüss" oder noch nicht ganz so weit "Moin". Und welche Wörter sind noch so expansiv? Das erinnere ich nicht – schon wieder norddeutsch, gemeindeutsch hieße es: Daran erinnere ich mich nicht. Sprechen geschieht zum großen Teil automatisch, ohne dass wir viel darüber nachdenken, wie wir sprechen. Wäre es nicht schön, wenn wir mehr über unsere besonderen norddeutschen Sprachen wüssten? Also schreiben Sie uns, was Ihnen an unserer plattdeutschen und unserer hochdeutschen Sprache auffällt, Spaß macht, was Sie nachdenklich stimmt, ob es nun Ihr Lieblingswort oder eine Redensart ist. Wir drucken Ihre Wörter und Texte ab.

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