Santiano beim ESC-Vorentscheid : Es tut weh

Weiterhin auf voller Fahrt: Die Flensburger Band „Santiano“ beim Vorentscheid  in Köln  für den Eurovision Song Contest „Unser Song für Dänemark“.
Weiterhin auf voller Fahrt: Die Flensburger Band „Santiano“ beim Vorentscheid in Köln für den Eurovision Song Contest „Unser Song für Dänemark“.

„Dabei sein ist alles?" Von wegen. Die Teilnahme beim ESC-Vorentscheid war eine große Enttäuschung. Spaß hatten die Jungs von Santiano zum Glück auch.

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17. März 2014, 10:33 Uhr

Tja - nun haben wir das auch hinter uns gebracht. Im Nachhinein wissen wir jetzt gar nicht mehr, wozu wir eigentlich diesen ganzen Firlefanz auf uns genommen haben. Gebracht hast es - außer viel Arbeit und verschobenen Konzerten - eigentlich nichts. Nun, es wird uns eine Lehre sein - oder die Leere, die sich gestern am Day after in Körper und Geist breit machte? Man weiß es nicht. Das tut nun mal weh, mit 1:2 im Halbfinale rauszufliegen. Wir sind alle Sportler genug, als dass wir jetzt rumlügen, in heuchelnder „political correctness“ alles total dufte finden und Euch mit so ´nem „Dabeisein ist alles“-Gedöns zu schleimen würden. Der olympische Gedanke ging mir schon als Kind auf´n Sack und ist für jeden Leistungssportler der Hohn. Nix da - an dem Abend war das wie´n Tritt ins Gemächt, da muss man einfach zu stehen und zum Glück haben die, aus unserer Sicht, „Richtigeren“ das Ding nach Hause geschaukelt.

Die drei Tage waren für uns trotzdem sehr abwechslungsreich und viel Spaß hatten wir zum Glück auch. Da wir ja schon extrem vorbelastet, sozusagen humpelnd auf einem Bein, Kopf unterm Arm und quasi schwerst verwundet (Bild berichtete) in die Schlacht gezogen sind, war das große Scheitern schon tiiiiiief in uns angelegt. Schlagzeile: „Schade - als Quintett waren sie so stark - und nun?“ Manchmal geht mir dieses Geschreibsel so dermaßen auf den Sender! Also - unter diesem wahrlich schlechten Stern - dass ich nicht lache - sind wir also da hin. Am nächsten morgen MOMA - das heißt um 4 Uhr aufstehen und dat janze Gedöns - das ist auch für die christliche Seefahrt relativ unchristlich. Da sind wir dann irgendwie durch und dann ging es in die Lanxess-Arena für die Proben. Erst In-Ear / Monitoring und dann in voller Montur auf die Bühne. Da haste so ´ne fette Bühne und wir müssen uns wieder mal in ein viel zu kleines Schiff drapieren. Keiner wusste, wie er seine Choreografie auch nur ansatzweise umgesetzt kriegt. Also haben wir es dann auch gelassen. Dass zuweilen der örtliche Bühnenbauer mehr über die Präsentation der Band bestimmt als der Künstler selbst, dieser Umstand brachte mich schon wärend der Kameraproben bis knapp vor die Weißglut. Ich hasse das wie die Pest. Das Spielchen trieben wir circa ne Stunde oder mehr und dann - nach einer kurzen Pressekonferenz - hatten wir frei. Auch hier hatten alle Journalisten nur diese eine Frage auf der Zunge - man hörte nur leises Getuschel:... Hörsturz!!! Doch diese Frage hat Barbara Schöneberger der Meute gleich am Anfang aus dem Mund genommen und sie selbst gestellt. Worauf Axel die Situation unmissverständlich klargestellt hat und danach KEINE weiteren Fragen kamen - KEINE !! Da waren immerhin mindestens 20 Journalisten und niemand hatte eine weitere Frage . Danke, Bild...;) Danach sind wir hervorragend indisch Essen gegangen... unfassbar lecker ;)!

Und dann kam der große Tag. Nachmittags nochmal ´ne Durchlaufprobe mit simuliertem Halbfinale - und das mit uns. Das hielten wir da schon für ein eher schlechtes Omen und baten darum, es aus „spirituell-energetischen Gründen“ lieber nicht zu machen... genau: nix zu machen. Also haben wir es getan - fühlte sich aber bescheuert an.

Wie der Abend letztendlich ausgegangen ist, wisst ihr alle - für uns heißt das jetzt: Mund abputzen, Krone gerade rücken und weiter - jetzt sind wir auf dem Weg nach Göttingen, wo ´ne Doppelshow ansteht und wir endlich wieder auf vernünftige Menschen stoßen - unsere Crew. Das sind denn doch 2 verschiedene Welten - das Fernsehen und die Wirklichkeit.  Dann noch Leipzig und dann sind wir nach etlichen Wochen mal ein paar Tage zu Hause. Drei, um genau zu sein. Das reicht eigentlich nicht mal, um überhaupt anzukommen. Dann gehts weiter nach Fuerteventura und danach direkt zum Echo nach Berlin. Zack Ahoi !!!

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