zur Navigation springen

Agent angeklagt : Versicherungsbetrug mit „Hells Angels“ vor Gericht

vom

Ein Versicherungsagent wickelte erfundene Schäden ab und kassierte, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Dabei soll er auch gemeinsame Sache mit den „Hells Angels“ gemacht haben. Vor dem Landgericht Kiel muss er sich in 74 Fällen verantworten.

Kiel | Mit fingierten Schäden soll ein Versicherungsagent jahrelang Versicherungen betrogen haben. Vor dem Kieler Landgericht zählte Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski am Freitag 74 Fälle mit einem Gesamtschaden von rund 78.000 Euro auf. Der Prozess stieß auf öffentliches Interesse, weil der Angeklagte auch 25 Kleinschäden mit den inzwischen verbotenen „Hells Angels“ abgewickelt haben soll - etwa durch einen Hundebiss, durch Wild, Steinschlag oder eine umgefallene Petroleumlampe. Zum Prozessauftakt gestand der 44-jährige Familienvater sieben getürkte Schäden, alle weiteren bestritt er. Bei seinen Betrügereien habe er rund 7000 Euro kassiert.

Die Anklage lautet auf gewerbsmäßigen Betrug und gewerbsmäßige Untreue. Der 44-Jährige habe sich ein regelmäßiges Einkommen beschaffen wollen, sagte Ostrowski. Der Angeklagte sitzt seit neun Monaten in Untersuchungshaft. Sein Agenturvertrag wurde im Frühjahr 2012 gekündigt.

Er sei ein überaus erfolgreicher und belobigter Versicherungsagent gewesen, berichtete der Mann. Durch den Wechsel zu einem anderen Versicherungsunternehmen sei er in finanzielle Not geraten. So sei ihm durch eine dortige Umstrukturierung seine Pauschale von 8500 Euro, von der er alle laufenden Kosten bestreiten musste, fast halbiert worden. Mit den manipulierten Schäden habe er kurzfristig Schulden überbrücken wollen, sagte der Mann. Als Versicherungsagent konnte er Schadensfälle bis zu einer Höhe von 2000 Euro selbst regulieren.

Der Angeklagte geriet im Zusammenhang mit der Groß-Razzia gegen die „Hells Angels“ im Mai 2012 ins Visier der Ermittler. Damals wurden bei deren Kassenwart in Kiel Versicherungsunterlagen gefunden. Nach Angaben von Verteidiger Hans-Wolfgang Staudinger wohnte der Rocker-Kassenwart in der Nachbarschaft des Angeklagten. Er sei einer von mehreren Tippgebern gewesen, durch deren Hilfe der Angeklagte Hinweise auf neue Kunden erhoffte. Mit dem Rocker habe sein Mandant aber keine betrügerische Geschäfte gemacht.

Staatsanwalt Ostrowski geht demgegenüber davon aus, dass der Angeklagte die fingierten Schäden der Rocker direkt mit deren Kassenwart abgesprochen und die Erstattungsbeträge mit ihm geteilt hat. Ein Drittel behielt er demnach selbst, ein Drittel bekam der Kassenwart, der Rest sei direkt in die „Hells-Angels“-Kasse geflossen.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Aug.2013 | 09:58 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert