"Bandidos"-Prozess : Staatsanwalt fordert Haft für Borchert

Ermittlungspanne: Bereits kurz nach der Bluttat wurde im Subway geputzt. Damit waren wichtige Spuren vernichtet. Foto: sh:z
Ermittlungspanne: Bereits kurz nach der Bluttat wurde im Subway geputzt. Damit waren wichtige Spuren vernichtet. Foto: sh:z

Erstes Plädoyer im "Bandidos"-Prozess vor dem Kieler Landgericht: Zwei Angeklagte sollen ins Gefängnis. Zwei weitere Männer können auf Freispruch hoffen.

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07. April 2011, 11:18 Uhr

Neumünster/Kiel | Für drei Jahre und neun Monate soll Peter Borchert (37) wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung ins Gefängnis. Das forderte Dienstag, am 29. Verhandlungstag, Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski im Rocker-Prozess im Kieler Landgericht. Der ehemalige NPD-Landesvorsitzende Borchert, der sich vor wenigen Jahren dem mittlerweile verbotenen Rockerclub "Bandidos Neumünster" zuwandte, muss sich seit Ende Oktober 2010 gemeinsam mit drei weiteren Männern aus dem Umfeld des Rocker-Clubs in dem Mammut-Prozess verantworten. Die vier Angeklagten und weitere Mittäter sollen am 13. Januar 2010 im Restaurant Subway am Großflecken drei Kontrahenten der verfeindeten "Red Devils" mit Messern zum Teil lebensgefährlich verletzt haben. Außerdem sollen sie ihren Opfern zwei Kutten (Lederwesten der Rocker) abgenommen haben.
Für Thomas K. (25) forderte der Anklagevertreter zwei Jahre und neun Monate Haft. Außerdem beantragte er, Nils H. (29) und Ralf D. (34) freizusprechen. "Hier reicht die Summe an Indizien nicht aus, um mit Gewissheit zu sagen, dass sie dabei gewesen sind", sagte Ostrowski.
Zeugin will Borchert und K. erkannt haben
Im Hinblick auf die beiden anderen Angeklagten sah der Jurist das völlig anders. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass er mitgewirkt hat", erklärte er in Bezug auf Borchert. Besonders schwer wiegen Blutspritzer des lebensgefährlich verletzten Opfers Eric B. (46), die sich an Borcherts Hose fanden. Außerdem will eine Zeugin Borchert und Thomas K. erkannt haben: Während sie Borchert an der Stimme identifiziert habe, sei ihr bei Thomas K. ein bestimmtes Muttermal aufgefallen. Beide Männer seien laut Staatsanwaltschaft aber nicht unbedingt die Männer gewesen, die zustachen. Dass Thomas K. zur Tatzeit selbst noch durch die Folgen eines Verkehrsunfalls auf der A7 bei Flensburg schwer gehandicapt war, spielte für die Interpretation des Anklagevertreters keine Rolle.
Für Peter Borchert wirkten sich beim Staatsanwalt seine Vorstrafen negativ aus. Körperverletzungen, Waffendelikte, oder Beleidigungen - insgesamt 13 Punkte waren aufgelistet. Zum Teil wurde er in der Bewährungszeit straffällig. Thomas K. ist bisher nicht in Erscheinung getreten.
Tatort-Reinigung vor Eintreffen der Spurensicherung
Nur kurz streifte der Staatsanwalt die Ermittlungspannen, die viele Nachweise von Anfang an erschwert hatten. "Unebenheiten" nannte der Jurist diese Fehler und begründete sie mit der "extremen Stress-Situation der Polizei". Unter anderem war der Tatort auf Geheiß der Polizei gereinigt worden, bevor die Spurensicherung eintraf.
Wenig hilfreich war bei der Aufklärung auch eine Mauer des Schweigens. Besonders die drei Opfer, aber auch weitere Zeugen, erinnerten sich nur schwer oder gar nicht an Einzelheiten. Sogar Eric B., der 35.000 Euro Schmerzensgeld haben möchte, nannte nie Details. Der Prozess wird mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt.
(mor, shz)

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