Ex-Rocker Steffen R. : Kontakte zum NSU? Laut Ermittlern eine Lüge

Wie glaubwürdig ist Ex-Rocker Steffen R.? Seine Behauptung, die "Hells Angels" hätten eine Leiche einbetoniert, war falsch. Jetzt will er Kontakte zum NSU-Terrortrio gehabt haben.

Avatar_shz von
08. Oktober 2012, 10:52 Uhr

Kiel | Er ist der Kronzeuge gegen die verbotenen Kieler "Hells Angels" und hat eine der bislang größten Razzien gegen die Rocker ins Rollen gebracht: Steffen R. (40), Ex-Chef der Unterstützergruppe "Legion 81". Jetzt kommt heraus: Er war auch V-Mann des Verfassungsschutzes und will persönlich Kontakt zu den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gehabt haben. Angeblich informierte er die Behörde frühzeitig über das Zwickauer Terrortrio - nur soll seinen Hinweisen nicht nachgegangen worden sein.
Wenige Tage, nachdem Steffen R. beim Kieler Landeskriminalamt gegen die Rocker ausgesagt hatte, vernahmen ihn dort auch Ermittler des Bundeskriminalamts. In seiner Heimat in Sachsen-Anhalt war Steffen R. in der rechten Szene aktiv gewesen - gleichzeitig arbeitete der Kleinkriminelle und Zuhälter als V-Mann. Als Gegenleistung für Informationen soll er von Polizeiaktionen Kenntnis erhalten haben, was es ihm erlaubte, Straftaten störungsfrei zu begehen.
Aussage als "nicht wahrhaftig" eingeschätzt
Nach sh:z-Informationen soll Steffen R. vor dem Generalbundesanwalt ausgesagt haben, er habe den Verfassungsschutz unter anderem darüber informiert, dass er den NSU-Terroristen eine Waffe verkauft habe. Marcus Köhler, Sprecher der Bundesanwaltschaft, erklärte, die bisherigen Ermittlungen hätten keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Verbindungen zwischen den drei NSU-Mitgliedern und einzelnen Personen oder Gruppen aus dem Rocker-Milieu ergeben.
Ein führender Mitarbeiter des Kieler Verfassungsschutzes formuliert es deutlicher: Die Aussage von Steffen R. sei vom Generalbundesanwalt als "nicht wahrhaftig" eingeschätzt worden. Sie sei somit auch kein Teil des Verfahrens gegen den NSU geworden. Im Klartext: Steffen R. hat vermutlich gelogen, was seine Kontakte zu Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe angeht. Gleichwohl hat der Parlamentarische Untersuchungsausschuss die Aussage des Ex-Rockers zur Prüfung erhalten.
Der Fall lässt erneut Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Steffen R. aufkommen. Seine Aussage, "Hells Angels" hätten die Leiche eines Türken im Fundament einer Halle in Altenholz verscharrt, erwies sich als falsch. Andere Informationen über die Rocker waren allerdings zutreffend.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen