Urteil in Revision : Keine Bewährung mehr - Rocker muss in Haft

Der angeklagte Rocker muss für drei Jahre ins Gefängnis. Foto: dpa
Der angeklagte Rocker muss für drei Jahre ins Gefängnis. Foto: dpa

Der Bundesgerichtshof hielt die Strafe für zu gering: Ein ehemaliger Kieler "Hells Angel" muss nach einer Revision fast drei Jahre ins Gefängnis. Vorher war er zu Bewährung verurteilt worden.

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03. November 2012, 10:15 Uhr

Kiel | Dennis F. (39) betritt den Gerichtssaal erst, als alle Kameras draußen sind - mit schwarzer Jacke, getönter Brille und einer Mütze, die sein kinnlanges, blondes Haar verbirgt. Regungslos verfolgt er die Ausführungen des Richters. Er kennt die Vorwürfe - schließlich sitzt er schon zum dritten Mal wegen dieser Sache auf der Anklagebank des Kieler Landgerichts.
Das Mitglied der Kieler "Hells Angels" soll am 15. März 2010 zwei junge Nachwuchs-"Bandidos", Torben G. und Jan-Hendrik M. (beide 21), mit Pfefferspray angegriffen und niedergestochen haben. Der Grund: Ein Mitglied der "Hells Angels" hatte beim Training im Fitness-Club "Well You" das Logo der verfeindeten "Bandidos" auf dem Handy-Display des Opfers gesehen, daraufhin Oliver J., ebenfalls ein "Hells Angel", informiert.
Rettung dank nahe gelegener Uniklinik
Er entschied, gemeinsam mit dem Angeklagten vorzufahren. Zu dritt sprachen sie die jungen Männer auf dem Parkplatz des Fitnessstudios an und ließen sich das Logo zeigen.
Dennis F. soll die beiden Opfer mit Pfefferspray und Schlägen zu Boden gebracht haben. Beide wurden niedergestochen. Torben G. wurde lebensgefährlich verletzt.
Staatsanwalt Alexander Ostrowski: "Dass er durch eine Not-Operation gerettet werden konnte, haben wir der unmittelbaren Nähe zur Uniklinik zu verdanken."
In erster Instanz wurden zwei der beteiligten "Hells Angels" zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, sie hatten nicht zugestochen. Außerdem wurden 5000 Euro Schmerzensgeld gezahlt, nochmal so viel in Aussicht gestellt. Dennis F. wurde wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und eines Pfefferspray-Angriffs auf einem Supermarkt-Parkplatz zu insgesamt zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.
Bundesgerichtshof hob erstes Urteil auf
Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Revision ein. Sie hatte Erfolg. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil auf. Begründung: Die Kammer des Landgerichts war von einer Spontantat ausgegangen, ebenso von der von Dennis F. angegebenen Präventiv-Notwehr.
Doch der BGH sah weder die Präventiv-Notwehr (beide Opfer lagen schon auf dem Boden) noch die Spontantat (sie kamen verabredet zum Fitnessstudio) als gegeben. Ostrowski: "Wir können es als Strafverfolgungsbehörde nicht dulden, dass Kriege zwischen Rockern auf offener Straße ausgetragen werden." Schon damals habe er der Kammer signalisiert, dass er eine Bewährungsstrafe für diese Schwere der Tat nicht dulden werde. Er beantragte am Donnerstag eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren.
Namen der Lebensgefährtin angenommen
Der Angeklagte hatte das letzte Wort: "Herr K., möchten Sie etwas dazu sagen?" Der Angeklagte: "Ich heiße F., das ist alles, was ich dazu sagen möchte."
Der bundesweit als Dennis K. bekannte Veranstalter der Tattoo-Convention hatte nach mehrjähriger Verlobungszeit seine Lebensgefährtin Beatrix F. geheiratet und ihren Namen angenommen. Das könnte in weiteren Vorwürfen, die auf den "Hells Angel" zukommen, etwa die Schießerei vor der Holstentherme in Kaltenkirchen, bei der Freundin Beatrix F. der Lockvogel gewesen sein soll, von Vorteil sein, da Ehefrauen vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen können.
Dennis F. wurde zu zwei Jahren und acht Monaten Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Es ist seine erste Strafhaft.

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