Urteil im Rocker-Prozess : Haftstrafe nach blutigem Rocker-Überfall

Das Gericht hielt es für erwiesen, dass der 37-Jährige vom Beginn an am Überfall auf drei Mitglieder der verfeindeten Rocker-Gruppe der 'Red Devils' beteiligt war. Foto: dpa
Das Gericht hielt es für erwiesen, dass der 37-Jährige vom Beginn an am Überfall auf drei Mitglieder der verfeindeten Rocker-Gruppe der "Red Devils" beteiligt war. Foto: dpa

Drei Jahre und neun Monate Haft - so lautet das Urteil gegen Ex-NPD-Funktionär Peter Borchert nach einem Überfall auf verfeindete Rocker. Drei Männer wurden freigesprochen.

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17. April 2011, 10:02 Uhr

Er wurde als Letzter in den Saal hereingeführt - und er soll die Justizgebäude weiterhin von nur innen betrachten. Peter Borchert, Gründungsmitglied der Rockergruppe "Bandidos" in Neumünster und ehemaliger NPD-Landeschef, wurde am Freitag wegen eines blutigen Überfalls auf Mitglieder der verfeindeten "Red Devils" zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Ohne eine Spur von Emotionen zu zeigen, verfolgte der 37-Jährige die Verkündung der Strafmaßes und die Begründung. Die 10. Strafkammer des Landgerichts Kiel sprach ihn der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung sowie Nötigung für schuldig. Die drei Mitangeklagten, Thomas K. (25), Ralf D. (34) und Niels H. (29) wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Zwar kündigte der Verteidiger bereits an, Revision einlegen zu wollen - dennoch hat mit dem Urteil ein besonders aufwändiges Verfahren um die eskalierende Auseinandersetzung zweier verfeindeter Rockergruppen in Schleswig-Holstein ein vorläufiges Ende gefunden. Die Ortsgruppe der "Bandidos" in Neumünster sowie die der "Hells Angels" in Flensburg waren kurz nach dem blutigen Überfall Mitte Januar 2010 verboten worden.
Messerstrich in die Kniekehle
Die Kieler Strafkammer sah es als erwiesen an, dass Peter Borchert zusammen mit weiteren Mitgliedern der "Bandidos" sowie des Unterstützerclubs "Contras" den Überfall auf drei Mitglieder der "Red Devils" geplant und begangen hat, um "ihrem Gebietsanspruch Ausdruck zu verleihen", so die Vorsitzende Richterin. Der Rocker-Club "Red Devils" steht den "Hells Angels" nahe.
Die späteren Opfer des Überfalls hatten am Abend des 13. Januar vergangenen Jahres in der Neumünsteraner Filiale einer Sandwich-Kette gerade einen Imbiss zu sich genommen, als der Schlägertrupp, der sich nach Erkenntnissen der Ermittler zuvor in der Innenstadt von Neumünster zusammengerottet hatte, mit Schlagstöcken und Messern bewaffnet auf sie einstürmte. Ein 51-jähriger "Red Devil" erlitt Messerstiche am Arm. Am schwersten wurde aber ein 46-Jähriger durch einen Messerstich in die Kniekehle verletzt. "Binnen weniger Minuten hat das Opfer zwei bis drei Liter Blut verloren", skizzierte die Richterin Details des Überfalls. Nur dank des Eingreifens der Kellnerin eines Cafés über dem Sandwich-Shop habe der 46-Jährige überlebt. Überdies nahmen die Gewalttäter den drei "Red Devils" ihr Kutten ab - was in diesem Strafverfahren den Tatbestand der Nötigung erfüllte.
Entschädigungen für die freigesprochenen Mitangeklagten
Vom Aufenthalt der drei "Devils" haben die "Bandidos" durch eine SMS einer Servicekraft des Schnellrestaurants erfahren. Nach Angaben der Richterin konnten die Ermittler anhand von Funknetzanalysen belegen, wie über Mobiltelefone sofort die Planungsmaschinerie zwischen "Bandidos" und "Contras" in Gang kam - unter Beteiligung des Verurteilten. Auch wenn einzelne Messerstiche nicht Borchert hätten zugeordnet werden können, so habe er doch bei dem verabredeten Überfall den Einsatz von Waffen bewusst in Kauf genommen, so das Gericht. Zudem klebte an Borcherts Hose Blut des schwerstverletzten Opfers - und er sei als Einziger von einer Zeugin klar erkannt worden.
Die freigesprochenen Mitangeklagten werden für die U-Haft sowie für Ermittlungsmaßnahmen entschädigt. Borchert indes muss dem knapp überlebenden Opfer Schmerzensgeld zahlen. Von einer Sicherungsverwahrung für den 37-Jährigen sah das Gericht ab. "Eine besondere Gefährlichkeit ist nicht gegeben."
Die Vorsitzende Richterin Hege Ingwersen-Stück machte mit Blick auf den Rocker-Kodex eines unmissverständlich deutlich: Es sei nicht hinnehmbar, wenn bestimmte Gruppen außerhalb der bestehenden Werteordnung nach eigenen Gesetzen handeln. "Jeder Einzelne hat in unserer Gesellschaft das Recht, ein gewaltfreies Leben zu führen", sagte die Richterin. "Dafür werden die staatlichen Organe und die Justiz jederzeit sorgen."
(blu, shz)

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