Kiel : Ex-Chef der "Hells Angels" wieder frei

Neuer Name: Aus 'Sansibar' in Kiel wird 'Tatort'. Foto: rtn
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Neuer Name: Aus "Sansibar" in Kiel wird "Tatort". Foto: rtn

Der frühere Chef der inzwischen verbotenen Kieler "Hells Angels" ist wieder auf freiem Fuß. Auch der frühere Treffpunkt der Rocker in Kiel soll neu eröffnet werden.

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12. August 2012, 09:45 Uhr

Kiel | Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, wurde der frühere Kieler "Hells Angels"-Chef Dirk R. am Donnerstag aus der Untersuchungshaft in Lübeck entlassen. "Aus Sicht des Landgerichts besteht kein dringender Tatverdacht mehr", sagte Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski. Der Kammer zufolge sei die Beweislage "nicht so erdrückend, dass es für eine U-Haft reicht". Er selbst halte die Entscheidung für nicht richtig. "Ich werde Beschwerde dagegen einlegen", sagte Ostrowski. Darüber müsse dann das Oberlandesgericht entscheiden.
In dem Fall geht es um den Vorwurf einer Erpressung. Der Rocker soll den Angaben zufolge veranlasst haben, dass das Opfer einer Körperverletzung unter Druck gesetzt wurde. Es sollte gezahlte Schmerzensgelder in Höhe von 5000 Euro wieder zurückgeben. Der frühere Chef der Kieler "Hells Angels" war Ende Mai im Zuge einer Großrazzia im Rockermilieu festgenommen worden. Ihm wird auch vorgeworfen, dass er an der Tötung des seit zwei Jahren vermissten Tecin Bicer beteiligt gewesen sein könnte.
"Ich halte den Zeugen für 100-prozentig glaubwürdig"
Ein Rocker-"Aussteiger" hatte als Hauptbelastungszeuge zu der Sache ausgesagt. Er habe durch Hörensagen erfahren, dass "Hells Angels" den Türken ermordet und die Leiche in einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel einbetoniert hätten. Nach der ergebnislosen Leichensuche in der Lagerhalle war der Haftbefehl gegen den früheren Chef der Kieler "Hells Angels" und zwei weitere Rocker Mitte Juli aufgehoben worden. Er musste aber wegen der anderen Vorwürfe zunächst im Gefängnis bleiben. Auch sie stützen sich unter anderem auf Aussagen des "Aussteigers". "Ich halte den Zeugen in diesem Sachverhalt für 100-prozentig glaubwürdig", sagte Ostrowski.
Derzeit sind nach seinen Angaben noch zwei weitere Kieler "Hells Angels" in U-Haft. Die Ermittlungen im Fall des vermissten Bicer laufen weiter. Auch in der geschlossenen "Sansibar", dem früheren Treffpunkt der Kieler "Hells Angels", herrscht wieder Betriebsamkeit. Wie auf Plakaten in den Fenstern zu lesen ist, soll die Bar am 6. Oktober neu eröffnet werden. Diesmal unter den Namen "Tatort".

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