Neumünster : Anwohner fürchten die Rocker-Kneipe

Die Gaststätte Titanic an der Wippendorfstraße in Neumünster ist zum Rocker-Treff geworden. Und das macht vielen Anwohnern Sorge - zumal zwei Altenheime in unmittelbarer Nachbarschaft sind.

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29. November 2010, 10:00 Uhr

Neumünster | Nach der Geburtstagsfeier der Rockergruppe "Contras" mit großem Polizeieinsatz vor einer Woche ist es nicht mehr von der Hand zu weisen: Die Gaststätte Titanic an der Wippendorfstraße in Neumünster ist zum Rocker-Treff geworden. Und das macht vielen Anwohnern Sorge - zumal zwei Altenheime in unmittelbarer Nachbarschaft sind.
Bereits während der Großkontrolle, als die Polizei aus Sicherheitsgründen das Areal abriegeln musste, gab es immer wieder irritierte Passanten: "Was ist hier los? Ich komme vom Kartenspielen und möchte nur nach Hause", sagte eine alte Frau leise, als sie plötzlich zwischen Polizeiwagen und schweren Limousinen im gleißenden Scheinwerferlicht stand.
"Wir hatten schon Hakenkreuz-Schmierereien auf unseren Parkbänken"
Vielen Anwohnern ist die umstrittene Gaststätte unheimlich. Hier trafen sich bereits mehrfach Rocker aus Kreisen der "Bandidos", und sie gilt als beliebte Anlaufstelle für Neonazis. Nachdem die Kneipe im Frühjahr von der Friedrichstraße einmal um die Ecke in die ehemalige Deutsche Wacht gezogen ist, sind auch zwei benachbarte Altenheime, die bereits seit Jahren dort ansässig sind, plötzlich von den Auswirkungen betroffen.
Susanne Junge, Besitzerin der Parkresidenz an der Goebenstraße, ist auf die neuen Nachbarn nicht sehr gut zu sprechen. "Wir hatten schon Hakenkreuz-Schmierereien auf unseren Parkbänken. Immer wieder parken Leute, die in die Kneipe wollen, ihre Autos auf unseren Parkplätzen. Und wenn man dann was sagt, werden sie auch noch unverschämt. Gerade den älteren Bewohnern gegenüber sind einige sehr distanzlos aufgetreten. Da bin ich dann noch hinterher gelaufen", erzählte sie. Letztendlich ist die Besitzerin der betreuten Wohnanlage, die bereits seit 1999 vor Ort ist und 70 Bewohner und 37 Mitarbeiter zählt, froh über ihre Sicherheitsvorkehrungen. "Wir haben rundherum einen Zaun gezogen und sind videoüberwacht", so Susanne Junge.
"Wir können keine Konzessionen verhindern"
Auch Gerold Niemeyer, Einrichtungsleiter im Stadtdomizil an der Ecke Werderstraße/Wippendorfstraße, ist besorgt. "Die meisten der 72 Bewohner bekommen zwar zum Glück wenig davon mit, weil die Zimmer zur anderen Seite hinaus gehen", erklärte er. Doch viele der 35 Mitarbeiter haben Angst, wenn sie im Dunkeln zum Dienst kommen. "Sie wählen ganz bewusst einen anderen Eingang, damit sie nicht so dicht an der Gaststätte vorbei müssen", berichtete Niemeyer. Zwar sei das Altenheim abgeschlossen, dennoch haben mancher besonders im Nachtdienst "ein komisches Gefühl".
"Wir können keine Konzessionen verhindern, es sei denn, die öffentliche Sicherheit ist unmittelbar gefährdet", hieß es von Seiten der Stadt auf Nachfrage. Man wisse zwar von den einschlägig bekannten Gästen, aber "potenzielle Kundschaft" sei kein Argument.
Neumünsters Polizeisprecher sieht die Situation gelassen
Polizeisprecher Rainer Wetzel sieht die Situation gelassen. Abgesehen von dem großen Einsatz am vergangenen Wochenende sei die Gaststätte Titanic "kein besonderer Schwerpunkt". Am Anfang habe es "ein paar Beschwerden wegen Lärmbelästigung" gegeben. Aber das sei vorbei. "Ansonsten ist die Polizei da nicht öfter als bei anderen Gaststätten", sagte Wetzel.
Ob das so bleibt, wird sich zeigen. Immerhin hat die Kneipe, in der auch schon eine Rocker-Hochzeit gefeiert wurde, durch die Geburtstagsparty der "Contras" in weiteren einschlägigen Kreisen einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt - deutschlandweit. Auch Größen übergeordneter Rocker-Clubs kamen und gratulierten.

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