Rettungspilot Christian Dienst : "Es war das Gespenstischste, was ich je gesehen habe"

Für den Koch der 'Pallas' kam jede Hilfe zu spät. Er starb bei denm Unglück. Foto: dpa
Für den Koch der "Pallas" kam jede Hilfe zu spät. Er starb bei denm Unglück. Foto: dpa

Brennende Holzstapel lodern auf der Nordsee und mitten in den Fluten treiben 23 Menschen. Christian Dienst ist dabei, als die "Pallas"-Besatzung aus eisiger See gefischt wird.

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28. Oktober 2008, 07:38 Uhr

Das "Pallas"-Unglück vor zehn Jahren und die dramatische Rettungsaktion hat der damalige Pilot des Rettungshubschraubers noch klar vor Augen. "Es ist, als ob es gestern war. Die erste Alarmierung kam gegen Mitternacht", sagte Kapitän zur See Christian Dienst. Mit seinem "Sea King"-Hubschrauber war der Kommandeur der SAR- Kräfte auf Helgoland, als bei tosendem Orkan der Notruf kam. "Die Nacht war tiefschwarz", sagte Dienst. Schon von weitem sah er das Schiff brennen. "Es war das Gespenstischste, was ich je gesehen habe."
Schnell wurde klar, dass die Bergung der 24 Besatzungsmitglieder direkt vom Frachter unmöglich war. "Wir konnten nicht über dem Schiff schweben. Die Hitze hätte die Rotorblätter zerstören können", schilderte Dienst. Die Crew verließ die brennende "Pallas" mit dem Rettungsboot - bis auf einen Mann. Panik kam auf, als eine Leine riss und 23 Menschen ins Wasser fielen, einer davon bereits tot. "Sie trieben zwischen dem brennenden Schiff und lodernden Holzstapeln, die heruntergefallen waren", erinnert sich Dienst.
Hilfe für Koch kam zu spät
Zusammen mit einem dänischen Hubschrauber wurden die 23 aus dem Wasser geholt. "Wir mussten die Menschen retten, auf die Gefahren achten und die Leute im Wasser zwischen den meterhohen Wellen der Nordsee im Auge behalten, damit keiner verlorengeht." Das Glück der Überlebenden war, dass sie Rettungskleidung trugen. Für den Koch kam die Hilfe zu spät: Er war bereits an einem Herzinfarkt gestorben.
Die Hubschrauber brachten die Geretteten ins dänische Esbjerg. Erst dort wurde klar, dass sie und ihre Retter Glück im Unglück hatten. "Der Hubschrauber hatte Hydraulikprobleme. Eine Katastrophe stand bevor", erzählte Dienst. So flog der deutsche Pilot mit seinem SAR noch einmal in das Krisengebiet, um den auf der "Pallas" verbliebenen Mann zu bergen. "Wir haben mit Handzeichen versucht, ihm klarzumachen, dass er ins Wasser muss. Erst als er merkte, dass wir wegfliegen, ist er gesprungen. Dann haben wir ihn rausgefischt."
Kontakt zu den Überlebenden gab es nach der Aktion nicht, aber das Vertrauen in die Technik blieb haften. "Man begibt sich in Lebensgefahr und zu 100 Prozent in die Hände der Technik. Ich bin dankbar, dort heil herausgekommen zu sein", sagte der viermalige Familienvater. Der Einsatz veränderte seinen Werdegang in der Bundeswehr. Der 49-Jährige ist nun Vize-Sprecher des Verteidigungsministers und Leiter des Pressereferats. "Ich habe damals viele Interviews gegeben und gemerkt, dass es ein interessanter Bereich ist."

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