Dr. Ingeborg Arnaszus : Hilfe für ein schwer krankes Kind

Dr. Ingeborg Arnaszus: Initiatorin der Spendenaktion für ein schwer krankes Mädchen. Foto: rie
Dr. Ingeborg Arnaszus: Initiatorin der Spendenaktion für ein schwer krankes Mädchen. Foto: rie

Die zwölfjährige Emina Osmic aus Bosnien litt an einer Wirbelsäulenverkrümmung. Ingeborg Arnaszus initiierte eine Spendenaktion.

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07. November 2012, 11:11 Uhr

Rendsburg | Der Anruf aus der Redaktion traf Dr. Ingeborg Arnaszus nicht ganz unvorbereitet. Eine frühere Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter hatte eine Ahnung ausgelöst. Von Engagement war die Rede gewesen, für die bosnische Familie in Rendsburg, mit der sie befreundet ist. Zweifel hatte sie dennoch: "Mensch des Jahres - warum ausgerechnet ich?"
Ein Rückblick: Ein Jahr Pause, keinen Druck. So hatte sich Dr. Ingeborg Arnaszus aus Borgstedt das gedacht, bevor sie 2003 in Ruhestand ging. Mit ihren beiden riesigen Gärten wäre sie sicher genug ausgelastet. Doch Gartenarbeit allein füllt die heute 71-Jährige nicht aus. Es sind die Mitmenschen, die sie brauchen. Das merkte die Ärztin, als Mersiha Gutic damals in ihre Rendsburger Praxis kam, mit einem Lexikon und der kranken Tochter Medina im Arm. Familie Gutic war aus Bosnien nach Deutschland gekommen, weil Medina an einer schweren Wirbelsäulenverkrümmung litt, Skoliose. Damals sprachen die Eltern kaum Deutsch. Sie suchten Hilfe - und fanden sie in der Praxis in der Königskoppel. Es sollte der Beginn einer tiefen Freundschaft werden.
"Auch im Haus helfen sich alle gegenseitig"
Eine Verbindung, die sprachliche Barrieren und kulturelle Unterschiede überwindet. Die den Begriff Integration nicht nur als Erwartungshaltung an Ausländer definiert, sondern auch als Offenheit für Impulse der anderen. Eine Verbindung, die Ende vergangenen Jahres in einer großen Spendenaktion gemündet ist - für die ebenfalls an Skoliose erkrankte Cousine in Bosnien. Auch Leserinnen und Leser der Landeszeitung nahmen Anteil am Schicksal der zwölfjährigen Emina Osmic und spendeten für eine Behandlung des Mädchens. Am Ende kamen 25.000 Euro zusammen. Im vergangenen Frühjahr wurde Emina in Hamburg erfolgreich operiert.
Ingeborg Arnaszus hat die Aktion von Anfang bis Ende unterstützt. Sie war es, die damit an die Öffentlichkeit ging. So hob sie die Familie Gutic als Beispiel für eine gut integrierte Familie hervor. Was das gute Miteinander für sie bedeutet, formuliert die Borgstedterin so: "Die Kinder spielen mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft. Auch im Haus helfen sich alle gegenseitig. Die Eltern arbeiten beide "und wollen kein Geld vom Staat haben".
"Damit auch mal eine gute Nachricht in der Zeitung steht"
Die 38-jährige Mersiha und ihr Mann Ahmed haben Deutsch gelernt, Tochter Medina (12) besucht das Gymnasium Kronwerk, Sohn Adnan geht in den Kindergarten. Die Ärztin im Ruhestand war schon mehrfach mit in Bosnien und gemeinsam haben beide Familien schon viele Weihnachtsfeste zusammen gefeiert - "ein Zugeständnis, denn die Bosnier sind muslimisch und feiern an sich kein Weihnachtsfest", sagt Arnaszus. Die Freundschaft zeichne sich durch ein ausgeglichenes Geben und Nehmen aus. Im Alltag holt die "Ersatz-Oma" den Kleinen gern aus dem Kindergarten ab oder betreut die Große nach der Schule. Dafür hilft Ahmed Gutic ihr im Garten oder hackt Hoz. Gelernt habe sie von den Bosniern, was familiärer Zusammenhalt heißt. Die Loyalität mit Familie Gutic spürt sie auch selbst: "Mersiha ist für mich wie mein drittes Kind."
Vater von Ingeborg Arnaszus’ leiblichen Kinder ist ein studierter Philosoph und Theologe aus Litauen. Als die Ehe zerbrach, zog die gebürtige Berlinerin nach Schleswig-Holstein, eröffnete 1985 in Rendsburg ihre eigene Praxis.
Wichtig ist Dr. Ingeborg Arnaszus, "dass man mit unseren ausländischen Mitbürgern gute Beziehungen pflegt. Dann ist das für beide Seiten ein großer Gewinn." Der Grund, warum sie trotz Zweifeln und in aller Bescheidenheit bei der Aktion "Mensch des Jahres" mitmacht? "Damit sich andere dazu anregen lassen, auch etwas für die Mitmenschen zu tun. Und damit auch mal eine gute Nachricht in der Zeitung steht", sagt sie und lächelt.

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