Ernst-Otto Rellensmann : Er weiß, wo es im Notfall langgeht

Ernst-Otto Rellensmann.
Ernst-Otto Rellensmann.

Ernst-Otto Rellensmann (67) ist seit fast 50 Jahren beim Technischen Hilfswerk aktiv. Schon bei der Sturmflut 1976 war er im Einsatz.

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11. Oktober 2011, 10:07 Uhr

Elmshorn | Fluten, Stürme, entgleiste Güterzüge und andere Katastrophen: Ernst-Otto Rellensmann hat sie alle erlebt. Der 67-Jährige engagiert sich seit fast 50 Jahren beim Technischen Hilfswerk. Allerdings nicht nur an vorderster Front. Rellensmann hat in allen Notlagen dafür gesorgt, dass die Einsatzkräfte koordiniert ans Werk gehen und alle nötigen Materialien rechtzeitig eintreffen. Zwölf Jahre lang war er Elmshorner Ortsbeauftragter, 19 Jahre führte er sogar den Kreisverband an. Kurz: Der gebürtige Uetersener hat immer den notwendigen Überblick behalten. Egal, was die Katastrophe so gebracht haben mag.
Seine Karriere beim THW begann der Verwaltungsbeamte ein Jahr nach der großen Flut 1962. Mehr zufällig: "Ein Kollege war beim THW und hat mich mitgeschnackt", gesteht Rellensmann. Die Kameradschaft und der Umgang mit dem technischen Gerät gefiel ihm jedoch auf Anhieb. Prompt verpflichtet er sich für fünf Jahre - damals noch als Alternative zum Wehrdienst. Im Instandsetzungsdienst der Elektrogruppe begann er seinen Dienst, lernte auf zahlreichen Fortbildungen und bei den Stadtwerken, wie etwa Freileitungen und Erdkabel repariert und aufgestellt werden. Natürlich ging nicht immer alles glatt: Beim Absägen eines Kabels berührte das ausgerechnet eine Leitung - "da habe ich prompt 400 Volt gewischt bekommen", so der THWler. Glücklicherweise kam er mit dem Schrecken davon.
"Plötzlich stand ich einen halben Meter tiefer"
Die erste große Bewährungsprobe war für Rellensmann eine Sturmflut Anfang der 70er-Jahre, als das THW die Stadtwerke unterstützen musste. In Elmshorn mussten zahlreiche Keller leergepumpt und viele defekte Stromzähler im Akkord ausgetauscht werden. "Man träumte nachts vom Schraubendrehen" erinnert sich Rellensmann an den dreitägigen Einsatz, den er vor allem im Wasser watend absolvierte.
Als 1976 die nächste Sturmflut die Region heimsuchte, war Rellensmann als Kämmerer im Amt Haseldorf tätig. Und obwohl das Wasser auch an seiner Haustür schwappte, seine Familie zu Bekannten evakuiert wurde, bezog er Stellung in der Haseldorfer Schule - und koordinierte von dort Feuerwehr, THW, DRK und Bundeswehr. "Damals musste ich mit dem Boot zur Arbeit", erinnert sich der Helfer. Zehn Tage lang. Besonders eindrücklich hat er eine Erkundungsfahrt am Deich in Erinnerung. "Plötzlich stand ich einen halben Meter tiefer" - das Bauwerk hatte sich plötzlich gesetzt. Wenig später sah er das Wasser auch schon über die Deichkante schwappen.
"Ich habe fast zwei Jahre lang Ausrüstungsgegenstände eingetrieben"
Seine Kernaufgabe aber waren nicht die Erkundungsfahrten. "Wenn beispielsweise ein Notstromaggregat für einen Schwimmbagger gebraucht wurde, habe ich das besorgt", sagt Rellensmann. Er wusste, welche Ausrüstung wo gebraucht wurde - und von wo sie beschafft werden musste. So half er auch den ortsfremden Bundeswehrsoldaten, die zur Hilfe angerückt waren, bei der Orientierung. Für die meisten Helfer war der Spuk zwar nach zehn Tagen vorbei. Nicht jedoch für Rellensmann. "Ich habe fast zwei Jahre lang Ausrüstungsgegenstände eingetrieben", sagt er. Und wenn es nur ein Benzinkanister war, der bei einem Bauern im Schuppen stehengeblieben war - auch der musste zurück an seinen Herkunftsort. So schaffte es Rellensmann schließlich, einen Haken unter die Liste zu setzen: Alles da.
Auch als 2007 ein Güterzug in Tornesch entgleist war, hat Rellensmann als Fachberater die Aufräumarbeiten betreut. Oder als 2004 Oberflächenwasser in einigen Bereichen Probleme verursacht hatte.
"So lange man mich noch dabeihaben will, mache ich auch weiter"
Schon früh hatte Rellensmann im THW eine Führungsposition eingenommen: 1983 wurde er stellvertertretender Ortsbeauftragter am Elmshorner THW-Stützpunkt, von 1998 bis 2010 war er Ortsbeauftragter. Gleichzeitig war er seit1992 Kreisbeauftragter des THWs - mit über 200 Mitgliedern - dieses Amt legte er jetzt nieder und ist seitdem "nur noch" reguläres THW-Mitglied - mit immerhin 48 Jahren Diensterfahrung. Und für ihn steht fest: "So lange man mich noch dabeihaben will, mache ich auch weiter."
Zum Beispiel mit Planspielen großer Katastrophen. Denn im Krisenstab bleibt Rellensmann aktiv. Ein Sportflugzeug ist in das Umspannwerk in Bilsen gestürzt? "Gar nicht mal so unwahrscheinlich", sagt Rellensmann. 20 000 Menschen sind durch den Unfall plötzlich ohne Strom - nicht alle Altenheime haben auch Notstromaggregate und die Reparatur des Werks könnte Wochen dauern. Gemeinsam mit dem Rettungsdienst, Feuerwehr und der Polizei versucht Rellensmann die knifflige Lage zu retten. Eine wichtige Aufgabe, um die Koordination zu stärken. Immerhin: Diese Übung gibt es nur auf dem Papier. Anders als die vielen Einsätze, die Rellensmann in seiner langen Laufbahn absolviert hat.

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