Ursula Nölle : "Bildung ist ein Menschenrecht"

Ursula Nölle
Ursula Nölle

Ursula Nölle (86) aus Oststeinbek ermöglicht mit dem Verein "Afghanistan-Schulen" afghanischen Kindern eine Schulausbildung in ihrem Land.

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14. Oktober 2011, 12:17 Uhr

Alles fing in Pakistan an. Dort war Ursula Nölle im März 1983 zu Besuch bei ihrer Tochter, die gerade dort studierte. Gemeinsam mit der älteren Tochter reisten die drei Frauen umher und kamen in die Stadt Peschawar. Immer wieder fiel Ursula Nölle eine junge Frau auf, die sehr bedrückt aussah. Die damals 58-Jährige erfuhr, dass sie und eine weitere Frau als Lehrer 130 Flüchtlingskinder aus Afghanistan betreute und vor Anstrengung nicht mehr konnte. Nach einem Besuch in der Schule und im Flüchtlingslager war der gebürtigen Hamburgerin klar: Sie will helfen. Einen Beitrag leisten, dass die Kinder eine gute Schulbildung bekommen. Zurück in Deutschland begann sie, Spenden zu sammeln. Denn "Bildung ist ein Menschenrecht", sagt Nölle.
Schnell hatte sie ein paar hundert D-Mark zusammen, wollte aber mehr. 1984 gründete Ursula Nölle den "Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan", damals noch unter anderem Namen. Die Mutter von fünf Kindern hielt Vorträge - Zuhause, in Kirchen, und überall, wo sie für ihr Projekt werben konnte. Ein- bis zweimal im Jahr reiste sie zunächst nach Pakistan, später nach Afghanistan. Dort stehen heute 45 Schulen - gebaut vom Verein. Im vergangenen Jahr sammelte Nölles Projekt mehr als eine Million Euro. Mit Spenden und der Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und weiteren Einrichtungen.
Mit 86 Jahren weiterhin aktiv
Nicht nur die Gründung und der Erfolg des Vereins ist besonders: Als Ehrenvorsitzende ist Ursula Nölle, im Alter von 86 Jahren, weiterhin aktiv. Nicht nur als "Botschafterin" in Deutschland. Erst im April war sie in Afghanistan, um sich um die Arbeit vor Ort zu kümmern. Es kommt vor, dass sie 14 Stunden am Tag auf den Beinen ist. "Ich bin ständig beschäftigt und bin sehr dankbar, dass ich noch arbeiten kann"“, sagt sie. Vor allem freut sie, dass die Bevölkerung hinter ihr steht. Trotz der Bedrohung durch die Taliban und deren Versuch, die vom Verein gegründeten Mädchenschulen abzuschaffen.
Bald wird die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes 87 Jahre alt, feiert dann mit ihrer Familie in Oststeinbek, wo sie seit 1967 lebt. Ihre Söhne und Töchter, samt 13 Enkeln und zwei Urenkeln sind das wichtigste im Leben von Ursula Nölle. An zweiter Stelle kommt Afghanistan, sagt sie. Seit mehr als 25 Jahren gibt ihr die Arbeit sehr viel. Auch Kraft nach dem Tod ihres Mannes im vergangen Jahr. Im Frühjahr will sie erneut nach Afghanistan - wenn die Wüste wieder blüht.

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