"Fino3" vor Sylt : Ein Windkraft-Labor in rauer See

Die Forschungsplattform - umgeben von nichts als Nordsee. Blick auf 'FINO3' aus der Luft. Fotos: Tomma Schröder
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Die Forschungsplattform - umgeben von nichts als Nordsee. Blick auf "FINO3" aus der Luft. Fotos: Tomma Schröder

Sie steht 80 Kilometer vor Sylt, kostet fast zwölf Millionen Euro und funktioniert vollautomatisch: Die Forschungsplattform "FINO 3" in der offenen Nordsee.

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02. September 2009, 09:47 Uhr

Sylt | Pilot Christian Baudorf schaut ins graue Einerlei vor ihm. "Viel schlechter dürfte die Sicht nicht sein", sagt er. Noch keine Spur von "FINO3." Dabei sind es laut Navigationsgerät nur noch wenige Minuten, die seinen Hubschrauber von der neuen Forschungsplattform für Offshore-Windparks trennen. "Wir fliegen so tief, wir können den Mast der Plattform eigentlich nicht verfehlen", sagt Matthias Burghoff und lacht. Er ist Techniker an der Fachhochschule Kiel und gehört zum Projekt-Team der "FINO3", Burghoff kennt die Widrigkeiten des Wetters hier draußen zur Genüge. Losgerissene Messbojen oder hoher Wellengang hatten den Aufbau von "FINO3" immer wieder verzögert.
"Da ist sie, ganz verschwommen", sagt Christian Baudorf plötzlich und zeigt auf einen weiß-roten Mast. 80 Kilometer vor der Küste wirkt das riesige, 600 Tonnen schwere Bauwerk mitten im Meer zerbrechlich und verloren. Wie fragil, wird nach dem Verlassen des Hubschraubers deutlich: Die Plattform, die sich auf einen einzigen, 30 Meter tief in den Boden gerammten Pfahl stützt, schaukelt wie ein Schiff im Hafen.
Wellengang, Windströmungen und Reaktionen von Vögeln
Doch genau das gehört zu den Dingen, die hier erforscht werden sollen: Wie stark wirkt der Wellengang auf die Plattform, und hat diese wiederum Auswirkungen auf den Gang der Wellen? Welche Strömungen und Windstärken treten auf? Wie reagieren Vögel auf die künstliche Insel mitten im Meer? Solche und ähnliche Fragen müssen künftig berücksichtigt werden, wenn auf hoher See Windräder entstehen sollen.
Bei mehreren vorherigen Besuchen auf "FINO3" hat Matthias Burghoff mit seinem Team unzählige Messgeräte installiert - von Wind- und Strömungsmessern über Radaranlagen bis hin zu Kameras. Computer, die in einem blauen Container auf der Plattform untergebracht sind, sammeln die Daten der Messgeräte und senden sie ans Festland. Dort werden sie von Wissenschaftlern ausgewertet.
Wirtschaftsminister Biel kam zur Eröffnung
Doch zur Eröffnung musste Burghoff keine Messgeräte mehr anbringen und justieren. Zur Eröffnung wurde nur geschmückt. Kleine Plakate mit dem Schriftzug der Forschungsplattform klebten überall. "Damit auch jeder weiß, was hier eingeweiht wird", sagt Burghoff.
"Eine Handbreit Wasser unterm Kiel kann man Ihnen hier ja nicht wünschen", stellt Wirtschaftsminister Jörn Biel bei der Eröffnung am späten Nachmittag auch richtig fest. Wie gut, dass ihm noch etwas Besseres einfällt, als er die Sektflasche klirren lässt: "Wir können Ihnen ja wünschen, dass Sie immer wie ein Fels in der Brandung stehen." Während er das sagt, schaukelt "FINO3" weiter trotzig in den Nordseewellen.

Die Forschungsstationen "FINO"
"FINO" steht für Forschungsplattformen in Nord- und Ostsee. Mit den Offshore-Anlagen betreten die Ingenieure Neuland. Drei Plattformen sollen ihnen helfen, die Besonderheiten eines Standortes im Meer unter realen Bedingungen zu studieren.
"FINO1" nördlich von Borkum konzentriert sich auf Wettereinflüsse, "FINO2" nordwestlich von Rügen auf Verkehrssicherheit. Zu den Schwerpunktthemen von "FINO3" gehören meteorologische Messungen sowie Daten zu Bodenstruktur, Aerodynamik und Vogelzug.
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