Offshore-Windparks : Blasenschleier zum Schutz von Walen

Blasen an der Oberfläche
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Blasen an der Oberfläche

Firmen aus Schleswig-Holstein entwickeln eine neue Technik, um Wale beim Bau von Offshore-Windparks zu schützen. Ein Blasenschleier soll dabei Schallwellen dämpfen.

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13. August 2010, 03:24 Uhr

Kaltenkirchen/Lübeck | Der riesige Stahlkoloss mit drei Beinen muss fest auf dem Meeresboden stehen. Die Stahlrohre des so genannten Tripods, das aussieht wie ein übergroßes Stativ und als Fundament für Windkraftanlagen auf See dient, haben mehrere Meter Durchmesser. Um sie zu verankern, werden dicke Stahlrohre in den Boden gerammt. Rund 15.000 Rammschläge waren nötig, um den Unterbau einer einzigen Windkraftanlage im Offshore-Windpark Alpha Ventus etwa 35 Meter tief im Boden der Nordsee zu verankern. Der enorme Lärm, der dabei unter Wasser entsteht, kann besonders Schweinswalen Schaden zufügen. Ein Schleier aus Luftblasen soll den Baustellenlärm reduzieren - so die Hoffnung von Industrie-Unternehmen. Zwei schleswig-holsteinische Firmen - Menck aus Kaltenkirchen und Hydrotechnik aus Lübeck - entwickeln derzeit Verfahren für eine sichere und einfache Anwendung.
Alpha Ventus diente für Menck und Hydrotechnik als Testfeld. Bei einer der Windkraftanlagen waren um zwei Pfähle des Fundaments ringförmig Luftleitungen angebracht worden. Das Prinzip klingt simpel: Durch die Luftleitungen, die perforiert sind, wird während der Rammung Druckluft geleitet. Die aufsteigenden Luftblasen ummanteln die Baustelle und verhindern die Ausbreitung des Schalls. Das Verfahren nennt sich "kleiner Stufenblasenschleier". Die Firma Menck, die auf den Bau hydraulischer Hämmer spezialisiert ist, die in tiefen Gewässern Stahlrohre in den Meeresgrund rammen, hat den Stufenblasenschleier im Rahmen eines vom Bund und dem Projektträger Jülich geförderten Projektes zum Schutz von Schweinswalen entworfen.
Gehör ist lebenswichtig für Schweinswale
Bei den Arbeiten an Alpha Ventus wurden nach Informationen der Firma Menck jedoch noch einige Probleme deutlich. Zum Einen beschloss die Bauleitung die Versuche zur Schallminderung radikal zu verkürzen, weil Sturm vorausgesagt worden war. Zudem drifteten die am Fuß erzeugten Luftblasen aufgrund der starken Tidenströmung zum Teil weg, so dass die Schallreduktion geringer war, als erhofft. Dennoch geht Martin Ros, der bei Menck für Windenergie zuständig ist, davon aus, dass bei vollem Einsatz des Blasenschleiers der vom Bundesumweltamt definierte Richtwert von 160 Dezibel Schallenergie in 750 Meter Abstand der Baustelle erreicht worden wäre.
Wie wichtig die Suche nach Lösungen ist, zeigt sich schon allein daran, dass nach bisheriger Einschätzung durch den Bau von Alpha Ventus einige der empfindlichen Schweinswale bereits geschädigt wurden. Viele seien zudem bei der Errichtung des Pilotprojektes 45 Kilometer nördlich von Borkum gestört worden, sagt Klaus Lucke vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ Westküste). "Es muss alles eingesetzt werden, was möglich ist, um solche Auswirkungen zu vermeiden", sagt Lucke. Der Schall schadet unter anderem dem Gehör der Tiere. Sie nutzen Schall aber zum Beispiel auch zur Nahrungssuche, zur Orientierung und zur Kommunikation. Ein gesundes Gehör ist für die Wale lebenswichtig. Das FTZ Westküste arbeitet gemeinsam mit der Fachhochschule Kiel selbst an einem Verfahren zum Einsatz von Blasenschleiern, allerdings für einen Monopfahl.
Luftblasen mit Schaumstoff ummantelt
Die Firma Menck hatte bereits für den Bau der Forschungsplattform "Fino3" nordwestlich von Sylt gemeinsam mit der Leibniz Universität Hannover einen so genannten "großen Blasenschleier" konstruiert, der ebenso wie der "kleine Stufenblasenschleier" von der Firma Hydrotechnik Lübeck gebaut wurde. Bei diesem Blasenschleier handelt es sich um einen einzelnen Leitungsring, der im Abstand von 70 Metern um den Pfahl auf dem Meeresboden liegt. "Das hat den Vorteil, dass trotz einer möglichen Drift die Blasen den Pfahl immer noch ummanteln", erklärt Ros. Der Schalldruck sei dadurch deutlich reduziert worden, auch wenn bei voller Rammenergie die Lärm-Richtwerte noch überschritten wurden. Ros: "Es gibt keinen Stand der Technik für einen serienmäßigen Blasenschleier." Der Experte setzt aber große Hoffnungen in ein neues Verfahren, bei dem die Luftblasen mit Schaumstoff ummantelt werden. Die Versuche sollen in den kommenden Wochen folgen.

So gehts: Der Blasenschleier
Alpha Ventus diente als Testfeld für so genannte Stufenblasenschleier. So wurden bei einer Anlage um die Pfähle ihres dreibeinigen Fundaments ringförmig Luftleitungen angebracht, die perforiert sind. Durch diese Leitungen wurde während der Rammung Druckluft geleitet. Die aufsteigenden Luftblasen sollen die Baustelle ummanteln und die Ausbreitung des Schalls verhindern.

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