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Mediengrummel

18. Dezember 2017 | 20:10 Uhr

Mediengrummel : Zweitnutzen

vom

Der Zweitnutzen eines Produktes soll es manchmal bringen. Auch im Nachrichtengeschäft. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat zwei aktuelle Beispiele gefunden.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Sparsame Konsumenten wissen den Zweitnutzen eines Produkts zu schätzen. Senf in Gläsern etwa. Ist der Senf ausgelöffelt, lässt sich das Glas noch jahrelang als Trinkglas verwenden. Ähnliches gibt's in der Politik. Ist einer seinen Job losgeworden, kann er bei Gas und Bahn immer noch seinen Zweitnutzen beweisen. Als es noch allerorts Ofenheizungen gab, standen Zeitungen in der Blütezeit ihrer Zweitnutzung. Mit dem Siegeszug der Zentralheizungen sanken aber der Bedarf an Anfeuerpapier und die Auflagen der Tageblätter gewaltig. Von alten Fernsehern ist keine erfolgreiche Zweinutzung bekannt. Versuche, sie als Aquarium zu nutzen, scheiterten mit der Erfindung des Flachbildschirmes endgültig.

Im Nachrichtengeschäft setzt man in diesen Tagen vermehrt auf den Zweitnutzen. Die Meldung, dass der Rennfahrer Schumacher mit einer schweren Kopfverletzung  im Krankenhaus liegt, ist schnell abgenutzt. Zumal die behandelnden Ärzte echte Event-Muffel sind und die Familie keine Unfall-Fotos herausrückt. Als Zweitnutzen wird den Zeitungslesern dafür in einer Farbskizze gezeigt, wie eine Hirnschwellung zu beseitigen ist: Einfach Schädeldecke aufsägen oder aufbohren. Heimwerker werden sich bei Bedarf gern daran erinnern.

Weil sie sich bewegt hat, ist auch die Kanzlerin lädiert. Verletzung am Becken, aber regieren geht auch mit Krücken. Mehr Nachricht gibt der Ausrutscher nicht her, es sei denn, man interessiert sich für das weibliche Becken. Dann bietet Spiegel Online als Zweitnutzen des 08/15-Unfalls zum „unvollständigen Bruch am hinteren Beckenring“ eine detaillierte Knochen-Grafik. Als neue Kanzler-Raute zwischen Darmbein, Sitzbein und Schambein?

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