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Mediengrummel : Zu schön, um wahr zu sein

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Tausende Wahlplakate zieren dieser Tage die Straßen. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand bezweifelt, dass diese Art der Werbung den Parteien viele Stimmen bringt.

Zufriedene Kunden sind die beste Werbung. Neueste Untersuchungen der Marktforscher von Nielsen zum deutschen Verbraucherverhalten haben ergeben, dass 88 Prozent der Befragten angaben, die Empfehlung von Bekannten sei die Werbe- und Kommunikationsform, der sie am meisten vertrauen. Nichts spricht dafür, dass dies beim Wahlvolk anders aussieht. Weil aber Parteien mit ihren "Kunden" meist nur Ärger haben und Bekannte in aller Regel zwischenmenschliche Beziehungen nicht mit Wahlempfehlungen belasten, können die Wahlkämpfer von dieser Werbeform nur wenig profitieren. Also setzen die Parteien auf die klassische Reklame wie Fernsehwerbung, Anzeigen und Plakate. Diese Strategie birgt allerdings die Gefahr, dass die Parteikassierer drei Viertel ihrer Werbe-Etats für nichts zum Fenster rauswerfen. Nach der Nielsen-Umfrage traut nämlich höchstens ein Viertel aller Befragten der klassischen Werbung.
Doch so schnell gibt niemand auf, der sich für ein politisches Amt auserwählt sieht, aber noch nicht gewählt ist. Mit frischem Teint und glattem Spruch werben die quotierten Kandidaten tausendfach am Straßenrand für eine porentief reine Politik. Wie jener Kosmetik-Konzern, der für seine Werbung das Gesicht von Julia Robert mit digitaler Bildbearbeitung faltenfrei bügelte, um die Wirkung seiner Cremes zu beweisen. Eine britische Abgeordnete (!) beschwerte sich darüber bei der nationalen Werbeaufsicht. Die missbilligte das Geschäft mit der Foto-Lüge, die Kampagne musste gestoppt werden. Die Bilder seien irreführend und übertrieben, urteilte die Behörde. Manchmal sind Gesichter einfach zu schön, um wahr zu sein.

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erstellt am 16.Apr.2012 | 06:46 Uhr

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