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Mediengrummel : Zettel-Apps im Medienhaus

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Ohne "Apps" geht im Mediengeschäft nichts mehr, meint Zeitungshändler Lindbergh und beeindruckt Gerhard Hildenbrand mit seiner neuesten Errungenschaft.

Mein Zeitungshändler Randehard Lindbergh hat letzte Woche in seinem Laden einen Schaukasten angebracht. Etwa ein Meter im Quadrat, feuerroter Alu-Rahmen, knallgelbe Rückwand, Schwenktür aus Acryl-Glas. Ein wahrer Blickfänger. Herr Lindbergh lässt sich immer mal wieder was einfallen, um nicht vom Markt verdrängt zu werden. So hat er seinen Laden in "Medienhaus" umbenannt und zu seinem "Portfolio" gehören seit längerem DVDs, CDs, Handy-Karten und Bestseller-Taschenbücher. Zur Freude seiner Kunden hat er seine "Kernkompetenz" aber beibehalten: Zeitungen und Zeitschriften, Tabakwaren und Lottoscheine.
Das neue rot-gelbe Prunkstück des "Medienhauses" erfüllt seinen Zweck offenbar aufs Beste; erst zieht es die Blicke und dann die Kunden an. Drei, vier Neugierige stehen immer vor dem Schaukasten. "Lindberghs App Store" prangt groß darüber und wer dem Kasten näher kommt, findet darin postkartengroße, handbeschriebene Zettel. "Äpp kommt von Äpplikeisch‘n und bedeutet so viel wie Anwendung. Ohne die geht in unserem Mediengeschäft nichts mehr. Zehn Millionen Deutsche nutzen schon Äpps. Umsatz: über 300 Millionen Euro", doziert Herr Lindbergh, als ich meine Zeitung verlange. Na ja, das gelte meines Wissens wohl eher für Mobiltelefone und nicht für Papierfetzen in einem Schaukasten, grummle ich zurück. Ich erinnere mich, von Apps gelesen zu haben, die angeblich das Handy zur Wasserwaage oder zum Flaschenöffner machen. "Call Schatzi - der ultimative Liebesbeweis per iPhone" soll ein Renner sein unter den Apps.
Trotzdem lockt mich Lindberghs neuer Kundenfänger. Und so lese ich auf den Zettel-Apps: Schüler übernimmt Ihre tägliche Jogging-Tour - Rentner zählt Ihr Geld. Gern auch nach Feierabend ... – Machen Sie mit bei unserem Handy-Gesprächskreis! ... - Heute bei GÜÇLÜTÜRK: Rosenkohl günstig! "Na, auch ein Äpp für Sie dabei?", fragt mich Herr Lindbergh. Während er meine Zeitungsgroschen zählt, hab ich das "Medienhaus" bereits verlassen, in der Hoffnung, dass von Güçlütürks Rosenkohl noch was da ist.

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erstellt am 02.Nov.2010 | 07:56 Uhr

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