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Mediengrummel

21. August 2017 | 05:19 Uhr

Mediengrummel : Zeitungsdiebe

vom

Man kann schon mal Mein und Dein verwechseln, in unserer hochkomplizierten Mediengesellschaft. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand schreibt über zwei tragische Fälle.

Ein Baron, der vor den Augen eines bayerischen Professors Artikel aus Zeitungen ausschneidet und sie in seine "eigene" Doktorarbeit einklebt, darf bei 75 Prozent der Deutschen auf die Kultur des Wegsehens bauen. Wer darüber nicht lachen mag, kann seinen Humor bei den beklauten Zeitungen wiederfinden. Die Neue Zürcher Zeitung, die von dem Titel-Kleptokraten heimgesucht wurde, nutzte die Gunst der Stunde zur Eigenwerbung und annoncierte spontan mit dem Siegel "summa cum laude - Universität Bayreuth". Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, bei der Dr. Möchtegern ebenfalls Textpassagen abgegriffen hat, degradiert den Baron summa summarum zur Lachnummer und veröffentlicht bei FAZ.Net die besten "Gutti-Witze"- mit Quellenangabe! Zum Beispiel den: "Wie viele Mitarbeiter benötigt Guttenberg, um eine Dissertation zu schreiben? Antwort: 99. Einen, der die Hälfte kopiert, einen, der sie schreibt, einen, der sie abnimmt, und 96, die sie in der Bildzeitung verteidigen. (www.team.ulm.de)."
Aus Zeitungen klauen ist das eine, ganze Zeitungen klauen noch was anderes. Die Medien verbreiteten dieser Tage die Nachricht von einem besonders dreisten Diebstahl: Vor den Augen eines uniformierten Polizisten hätten in München ein 20-jähriger und ein 76-jähriger Mann einem Zeitungskasten je eine Zeitung entnommen. Ohne zu zahlen! "Gegen beide liegt nun eine Anzeige wegen Diebstahls vor", hieß es in der Meldung.
Die Langfinger sollen jetzt ausgesagt haben, dass ihnen der Überblick abhanden gekommen sei, welche Zeitungen sie abonniert haben und welche nicht. Die freiwillige Rückgabe der Zeitungen empfanden beide als äußerst schmerzhaft. Der Jüngere gab an, neben seinen Aufgaben als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit täglich sieben Zeitungen zu lesen. Für ihn stelle das offenbar eine Überlastung dar, er müsse heute mit Bedauern feststellen, dass ihm dabei ein Fehler unterlaufen sei. Beide Zeitungsdiebe sagten, sie wollten nicht bewusst stehlen und entschuldigten sich von Herzen. Vorrübergehend würden sie nun auf das Zeitunglesen verzichten und sich ungeteilt wichtigeren Aufgaben zuwenden.

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erstellt am 01.Mär.2011 | 06:38 Uhr

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