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Mediengrummel : Wohlvertrautes zu Dezember 24

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Kinder erleben Weihnachten jedes Jahr aufregend neu. Die Medien und wir Erwachsene mögens lieber wie immer, findet unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 21.Dez.2010 | 05:34 Uhr

Weihnachten ist die Zeit der wiederkehrenden Nachrichten. Alle Jahre zur gleichen Zeit verkünden Engelsimitate den Frieden auf Erden und die Aufmunterung, dass wir uns nicht fürchten sollen. Auch nicht vor grüßenden Murmeltieren. Medien kramen nun Geschichten vergangener Dezember-Monate hervor und wärmen sie für uns auf. Die Journalisten wissen: Wenn die Nachzahlungsforderungen für Strom und Heizung ins Haus geflattert sind, ist der Bedarf an Aufregendem fürs alte Jahr gedeckt. Jetzt wollen mal wieder die Herzen erreicht werden - mit frohen Botschaften der Kirchen und des Einzelhandels, mit alterprobten Reportagen über heißen Punsch und frierende Obdachlose und mit Jahresrückblicken, die zeigen, dass alles hätte noch viel schlimmer kommen können.
Wohlvertrautes verströmen sogar seufzende Mitmenschen, denen Weihnachten auch vier Wochen später ungelegen käme, die in letzter Sekunde aber doch noch in die Nächstenliebe investieren: "Meistens renne ich am Heiligen Abend zwei Stunden vor Ladenschluss noch schnell von Geschäft zu Geschäft und stelle mich an den endlos langen Kassenschlangen an". Hohohoooh! Hat jeder schon tausend Mal gehört, aber noch nicht von Murmeltier Kerkeling. Die Deutsche Presseagentur hat dieses Manko jetzt endlich beseitigt.
Eine besondere Rolle in der fröhlichseligen Zeit spielt das Fernsehen. Zuverlässig hat der Heilsbringer von Stuttgart vor Dezember 24 für oberirdische Ruh gesorgt und den Bildschirm geräumt. Das unterirdische Schlichtfernsehen sendet nun wie gehabt Heidi, Winnetou einszweidrei, den kleinen Lord und das große Gemetzel mit Bruce Willis. Den übrigen Schmonzes vom letzten und vorletzten Fest natürlich auch. Wer auf eine quotenbringende Weihnacht wettet, riskiert nichts. Das weiß man auch an den Schreibtischen der Politik, wo fürs Fernsehen Weihnachts- und Neujahrsbotschaften aufgesagt werden, deren Wortlaut sich seit Jahren bewährt hat. Es soll sich halt niemand fürchten. In diesem Sinne: Frohes Fest! Wie immer.

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