Mediengrummel : Wichtige Namen

Wer schreibt, der bleibt. Und wer seinen Namen häufig in der Zeitung findet ist wichtig. Aber es gibt dabei auch Verlierer, weiß unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
16. Januar 2012, 06:56 Uhr

Falls BILD-Chefredakteur Diekmann ganz genau erfahren möchte, wie gut sein jüngster Coup gelungen ist, könnte er das leicht herausfinden. Er müsste nur eines der Unternehmen beauftragen, die täglich alle Zeitungen durchkämmen, um dort nach den Namen ihrer Auftraggeber zu suchen. Denn ohne Namensnennung kein Rang auf der Liste der Wichtigen, auch im Mediengeschäft. So gesehen wird der Chefredakteur der Bild-Zeitung mit sich und der deutschen Presse höchst zufrieden sein. Ein kleiner Wermutstropfen für ihn: Noch öfter als sein Name war in den deutschen Zeitungen der Name Wulff zu lesen, verdientermaßen. Schließlich hat sich der Bundespräsident im Wettbewerb um die meisten Namensnennungen noch mehr angestrengt als sein Gegenspieler. Und nebenbei: Er schaffte es außerdem zum Quotenbringer für die deutschen Online-Medien. Auf deren Nachrichtenseiten sind im Dezember über 640 Millionen Inland-Klicks gezählt worden. Der beste Monatswert seit dem Tsunami in Japan.
Natürlich gibt es außer Diekmann und Wulff noch ein paar wichtige Namen, deren Niederschläge in den Medien gemessen werden müssen. Die Firma PMG Pressemonitor wertet nach eigenen Angaben täglich 160.000 Pressebeiträge aus und verbreitete letzte Woche, dass die Zeitungen im Dezember den Weihnachtsmann 35.632 Mal genannt haben, das Christkind aber nur 10.603 Mal. Abgeschlagen: Knecht Ruprecht und St. Nikolaus. Am ärmsten dran war der Osterhase, den erwähnte die Presse im Weihnachtsmonat in lediglich 272 Beiträgen. Dem bedauernswerten Geschöpf hilft jetzt nur Aussitzen. In noch nicht einmal drei Monaten redet bestimmt kein Mensch mehr über das peinliche Debakel.

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