Mediengrummel : Wenn Fernsehen auf Wirklichkeit trifft

Sie haben von Ihrem Hausnachbarn keine hohe Meinung, nur weil er Politiker ist? Es hätte für Sie schlimmer kommen können, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

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19. April 2011, 04:55 Uhr

Das Institut für Demoskopie Allensbach ermittelt regelmäßig das Ansehen ausgewählter Berufsgruppen. Die Befragten sollen in einer Liste ankreuzen, welche Berufe sie "am meisten schätzen" und vor welchen sie "am meisten Achtung" haben. Den einen oder anderen mochte bei der Stimmabgabe ganz praktisch umgetrieben haben, wem er seine Kinder, sein Leben oder gar sein Geld anvertrauen würde. Vielleicht auch nur, wem er in diesen Zeiten noch ungeprüft eine Information, ein Wahlversprechen oder ein Schweineschnitzel abnehmen kann. Bei der jüngst veröffentlichten Umfrage aus Allensbach waren es, wie seit Jahren, die Ärzte, denen die Deutschen nicht nur Krankenscheine, sondern auch das größte Vertrauen entgegenbringen (82 %). Den zweiten Platz haben sich die Krankenschwestern erarbeitet (67%), dann kommen die Lehrer (42%) und Handwerker (41%). Himmelabwärts sind die Pfarrer gerutscht: Nach 47 % im Jahre 1988 (2.Platz) genießen die Geistlichen mittlerweile mit 28 Prozent weniger Sympathie als Rechtsanwälte.
Zufrieden mit sich und den Seinen zeigte sich der Deutsche-Journalistenverband. Nach 11% bei der letzten Umfrage äußerten dieses Mal 17% der Befragten ihre Wertschätzung gegenüber Journalisten. Immerhin ein Zuspruchswert, über den sich die eine oder andere Volkspartei in Zukunft vielleicht noch freuen könnte. Wobei wir bei den Schlussleuchten sind. Politiker bringen es einmal mehr auf einen mickrigen Vertrauensbonus von 6% und sind damit knapp am letzten Platz vorbeigeschrammt. Den teilen sich zwei Berufsgruppen mit jeweils lumpigen 4%. Zum einen sind es die Banker, die vermutlich als einzige für ihr Metier gestimmt haben. Zum anderen die Fernsehmoderatoren, die nun dank Allensbach wissen, was dabei herauskommt, wenn Fernsehen auf Wirklichkeit trifft.

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