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Mediengrummel : Wahlgaudi aus dem Merkel-Garten

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Der wahre Gewinner der Bundestagswahl ist vielleicht das Unterhaltungsfernsehen, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand. Er riskiert einen Blick in die Zukunft.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Wahlumfrage 2033. "Forsa" meldet: Die meisten Jungwähler glauben, Bundestagswahlen seien eine Erfindung des Fernsehens. Die Idee stamme aus dem Jahre 2013, vermuten die jungen Leute. Damals hatten fast 18 Millionen Zuschauer das "TV-Duell" zur Wahl gesehen, nicht mitgezählt die Zuschauer, denen vor und nach der Übertragung wochenlang der Unterhaltungswert des Ereignisses eingetrichtert wurde. Konsequent wurden damals die ersten Wahlsendungen zu Wahl-Shows umgebaut, eine Abgeordnete trällerte im Bundestag sogar ihre Rede vor, von Zeitungstiteln grüßten Handraute und Stinkefinger - die Begeisterung war grenzenlos. Als eine Reporterin in der CSU-Zentrale frohlockte: "Die Erektionen hier sind euphorisch", konnten die privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehbosse den Bundestag leicht davon überzeugen, dass ein solches "Quoten-Event" ab sofort jährlich stattfinden muss.

Deutschland 2033. Die Fernsehmacher haben aus der Bundestagswahl längst den "German Super Election Contest" mit allem Drum davor und Dran danach gemacht. Immer wieder gut die RTL-Container-Show " Ich bin ein Volksvertreter. Ich geh' hier nicht raus!" (40 Mio. Zuschauer). Zum Kringeln auch die ARD-Sendung "Verstehen Sie Spaß?" (51 Mio. Zuschauer), in der ein Opa Rainer auf die Nachricht hereinfiel, die FDP habe den Sprung von 0,9 Prozent zur absoluten Mehrheit geschafft. Denkwürdig vor allem, wie im "Schunkelcamp" ZDF-Merkel-Garten in Templin (62 Mio. Zuschauer) die Moderatoren hartnäckig nachbohrten, wer die Idee zur tollen Wahlgaudi denn hatte? Und Bundeskanzler Raab (67) unter großem Gejuchze sagte: "Schon vergessen, Ihr Gruftis? Wir haben's erfunden!".

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