Mediengrummel : Wa schunkelt mid?

Immer wieder machen sich Zuschauer aus dem Staub, wenn es im Fernsehen so richtig lustig zugeht. Was läuft da schief, fragt sich unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

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10. März 2014, 06:00 Uhr

Die ARD fand sich schon vor zwei Jahren nicht so witzig. Man habe ein Humor-Defizit im Ersten Programm, hieß es damals. Bis heute gibt es dort wenig zu lachen. Aber womöglich ist das nicht einmal die halbe Wahrheit. Vielleicht steht die ganze Republik auf der Spaßbremse? Jedenfalls laufen dem Ersten, den regionalen Sendern und dem ZDF seit Jahren die Zuschauer in Scharen davon, wenn fidele Prunksitzungen und Karnevalsumzüge über den Schirm flimmern. Halbwegs dabei bleiben nur noch Zuschauer, die sich schon in "Humbatätärä"-Zeiten auf die Schenkel geklopft haben. Das war in den 60ern und 70ern. "Mainz bleibt Mainz" hat sich dieses Jahr in ein neues Allzeittief geschunkelt. Es fehlt vor allem der Nachwuchs, der Tanzmariechen zwischen Büttenrednern lustig findet. Nicht einmal eine halbe Million Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren wollten die Übertragung sehen. Bei "Karneval in Köln" waren es kaum mehr. Beim Rosenmontagsumzug aus Mainz waren nur 230 000 junge Fernsehnarren dabei.

Richtig spaßig war's zur Karnevalszeit ohnehin nur bei der SPD. Etwas verspätet, aber immerhin noch am Aschermittwoch. Die politische Ideenschmiede in Berlin twitterte: "Mia o'fangn mid zünftiga Blasmusi. Wa schunkelt mid?" Wahrscheinlich hat's wieder einmal niemand verstanden, was die Parteistrategen wollten. Schwere Zeiten für Humor. Besonders im Kabarett. Werner Schneyder hat dessen Hauptfeind entdeckt: die Realsatire. Die sei kaum zu übertreffen. Vielleicht sollten die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Karnevalssendungen in Zukunft als realsatirische Glanznummern ankündigen. Wäre passend und könnte am Ende noch die Quoten steigern.

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