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Mediengrummel

16. Dezember 2017 | 16:33 Uhr

Mediengrummel : Vorstopper

vom

Die "schönste Nebensache der Welt" - der Fußball – kann schnell ernst werden. Jedenfalls, wenn Journalisten darüber schreiben wollen. Gerhard Hildenbrand hat ein Beispiel.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2010 | 08:04 Uhr

Von "Merkwürdig, dass so einer, eckig wie eine leer gegessene Pralinenschachtel, etwas trifft, das rund ist", schrieb Wolf Wondratschek vor Jahren in seinem "Gedicht für Georg Schwarzenbeck". Heutzutage würde sich der Fußballpoet mit seiner Ode an den einstigen Vorstopper des FC Bayern München vielleicht einigen Ärger einhandeln - nicht mit "Katsche" Schwarzenbeck, eher mit den auf Weltgeltung bedachten Club-Funktionären. Schließlich können die Dichter-Zeilen leicht als unbotmäßige Kritik gedeutet werden. Und die hört und liest man nicht so gern im Münchner Millionärsclub.
Die "Welt am Sonntag" hatte jüngst den Bayern-Kicker Ribéry interviewt, verzichtete dann aber auf den Abdruck der Unterhaltung. Der Verein, so Chefredakteur Peters, wollte nicht nur die Antworten des Spielers autorisieren, er bestand auch darauf, eine Frage der Reporterin zu streichen. Da die Zeitung sich keine Interviewfragen "diktieren oder löschen" lassen wollte, landete das ganze Gesprächsprotokoll im Papierkorb. "Man wird ja wohl noch fragen dürfen", schrieb Peters süffisant. Fragen vielleicht, aber schreiben! Vor kurzem hatten Zeitungen gemeldet, dass "Focus"-Chefredakteur Markwort, der im Aufsichtsrat des FC Bayern München sitzt, einen Artikel über den Bayern-Angestellten Ribéry und seine Rotlichtaffäre verhindert habe. Gut, wenn man auch in Redaktionen seine Vorstopper hat. "Zumindest in einem großen deutschen Nachrichtenmagazin findet keine Berichterstattung mehr über die Verstrickungen des Bayernspielers im Pariser Rotlichtmilieu statt“, resümierte die „Süddeutsche Zeitung".
Da macht doch eine Meldung der "New York Times" Mut. Das Pentagon, so berichtete die Zeitung dieser Tage, habe sich nach Klagen mehrerer Medien bereit erklärt, einige Vorschriften zu ändern, die bislang Journalisten in ihrer freien Berichterstattung über Guantanamo behindert haben.

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