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Mediengrummel : Von Libyen bis Vertuschima

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Für "Krieg" gibts nicht viel Sinnverwandtes, hat unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand beim Nachblättern im Duden festgestellt. Da sind findige Journalisten gefragt.

Ganze acht sinnverwandte Begriffe bietet Dudens Synonym-Wörterbuch für das Wort "Krieg". Davon können zwei Wörter sofort gestrichen werden, denn wer würde zum Beispiel den Krieg in Libyen als "Fehde" bezeichnen. Auch "Feldzug" klingt nach Stalingrad und nicht nach modernsten Waffen zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Bleiben also neben "Krieg" sechs Duden-Vorschläge, die zur aktuellen Kriegsberichterstattung aus Libyen taugen: bewaffneter Konflikt, Gefecht, Kampfhandlungen, kriegerische/militärische Auseinandersetzung, militärischer Konflikt und Schlacht.
Solch kümmerlicher Wortschatz reicht auf Dauer keinem Journalisten, wenn er Tag für Tag über blutige Schießereien, Raketenangriffe und Bombardierungen berichten muss. Außerdem klingt Krieg ein bisschen altmodisch nach Not und Tod. Eine aktive Sprache kann da abhelfen. Militäraktion, Intervention, Einsatz - das wirkt zupackender und beschreibt für uns zu Hause auf dem Sofa die "Mission" in Libyen gleich viel anschaulicher.
Man hört von Menschen, die sich beim Wort "Krieg" immer noch ängstigen. Aber auch die werden nicht allein gelassen. Es gibt ja Journalisten, die findiger sind als die Duden-Redaktion. So wird aus Kriegsverbündeten eine "Koalition der Willigen", Luftkrieg heißt im Neusprech "Durchsetzung der Flugverbotszone" und Bodenkrieg "Stabilisierung durch Bodentruppen". Als die NATO beschließt, in den Libyen-Krieg zu ziehen, meldet der Tagesschausprecher: "Die NATO begibt sich in einen Militäreinsatz". Ähnlich gravitätisch spricht ein Moderator im Deutschlandfunk von "militärischen Anstrengungen in Libyen" und vom "Fortgang der militärischen Operationen". Die Folgen der anstrengenden Operationen dürfen wir täglich im Fernsehen bestaunen. Irgendwie gleichen sie den Bildern aus Japan von einem explodierten Restrisiko, das sich wie "Vertuschima" anhört. Aber dieser "nukleare Zwischenfall im Abklingbecken" ist wieder ein anderes Thema

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erstellt am 29.Mär.2011 | 07:18 Uhr

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