Mediengrummel : Vom realen Irrsinn

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit verhandelten ARD und Thomas Gottschalk über eine neue Zusammenarbeit. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat aufgepasst.

shz.de von
01. Oktober 2012, 08:07 Uhr

Politik braucht das Fernsehen, das ist bekannt. Heikle Gesetze zum Beispiel beschließt man am besten, wenn das Volk und die Mehrheit seiner Vertreter vor dem Fernseher sitzen und Fußball schauen. Obs ums Meldegesetz für Adressenhändler ging oder um Erhöhungen der Mehrwertsteuer und Krankenkassenbeiträge - immer waren irgendwo unsere Kicker im internationalen Einsatz. Das Volk stand unter Fußballdroge. Die Hauptstadt-Presse auch.
Die ARD hat jetzt den Spieß umgedreht. Als die Politik sich brennenden Landesflaggen widmete und sich zu einer lauwarmen Diskussion um Reichtum und Armut aufraffte, hat der WDR nahezu unbemerkt ein Geständnis abgelegt: Ja, der Sender verhandele mit der Bohlen-Hilfskraft Gottschalk über dessen Rückkehr zur Gebührenanstalt. Der kann sich das gut vorstellen. Bei RTL mache er die Kinder froh, aber die Erwachsenen bei der ARD interessieren ihn ebenso, soll er "Spiegel-Online" gesagt haben.
Zufall oder nicht, während die ARD Gottschalk wieder mal den Hof macht, dokumentiert "Extra 3" im NDR-Fernsehen genussvoll die "miese Performance" des entsetzlich Unersetzlichen. Szenen einer Talfahrt sind zu sehen, wie er in seinen Auftritten schlecht vorbereitet "weiter Richtung Abgrund rast" und an Bohlens Seite "Kinder vorführt wie im Streichelzoo". Resümee: "Ein Chauvi-Spruch und ein dickes Kind bloßgestellt. Jetzt hat es Thomas Gottschalk wirklich geschafft... Karriere zerstört!". - Von wegen! Ganz unten ist für einige in der ARD immer noch hoch genug. Die Macher von "Extra 3", die gerne dem realen Irrsinn nachspüren, können schon mal den nächsten Gottschalk-Beitrag vorbereiten.

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