Mediengrummel : Viagra für die Auflage

Sex und Erotik helfen zum Beispiel, Autoreifen zu verkaufen. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand fragt sich, was sonst noch die Brieftaschen der Menschen öffnen kann.

shz.de von
04. November 2013, 06:00 Uhr

Die Reklame-Branche glaubt fest daran: "Sex sells" – mit Sex verkauft sich alles leichter. Nicht gerade Treppenlifte und ADAC-Mitgliedschaften oder Telefone mit extragroßen Tasten und Hüftgelenke. Aber von Autoreifen bis Zahnpasta bietet die Konsumwelt einiges, das ohne nackte Haut oder erotische Anspielungen bestimmt im Regal liegen bliebe. Auch Zeitschriften, nicht nur die einschlägige Fachpresse, wollen vom Sex profitieren. Manchmal sogar vom ungewöhnlichen. Auf die Frage, ob "Mutti" Merkel "Viagra für die Auflage" sei, plauderte neulich der Chefredakteur der Satire-Zeitschrift "Titanic" aus dem Nähkästchen. Merkel-Titel verkaufen sich auf jeden Fall sehr gut, sagte er. Aber sehr viel habe "Titanic" auch der katholischen Kirche zu verdanken.

Doch was, außer Sex, verkauft sich noch? Tiere! Tiere verführen immer. Kleine Hunde etwa - wenn sie sich nicht gerade beim großen Geschäft mitten auf dem Gehweg fotografieren lassen. Oder süße Katzen - sofern sie nicht mit einem zerzausten Rotkehlchen im Maul posieren. Und was animiert die Kunden außerdem zum Geldausgeben? Bei Illustrierten und Magazinen fragt man sich das Woche für Woche. Ein Interview mit dem Steuertrickser Hoeneß hatte der "Zeit" ein Absatzplus im Einzelverkauf von 40 Prozent beschert. Dem "Spiegel" verschaffte ein Titel mit den Enthüllungen des Edward Snowden den Jahresbestwert am Kiosk. Dagegen war der Aufmacher zur Diskussion um das NPD-Verbot ein Flop. Auf gute Nachfrage stieß der "Focus" mit der Titelseite "Wie jeder intelligent werden kann". Recht hatte er mal wieder, der einstige Chefredakteur des Magazins. Immer an die Leser denken!

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