Mediengrummel : Und täglich grüßt der Irrwitz

Es geschieht immer gerade so viel, dass die Zeitung voll wird. Wenns dann doch nicht reicht, ist da immer noch der tägliche Irrwitz, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
11. September 2011, 05:09 Uhr

7. September. Oder wie Medienleute, die den Puls der Zeit fühlen, vermutlich sagen würden: "Neinsäwwen". Geschrieben: 9/7. Dies als Hinweis für Leser, die sich immer noch fragen, was das mit den häufig zu lesenden neun Elfteln auf sich hat. "Was grummelst Du?", fragt die Gattin bei der gemeinsamen morgendlichen Lektüre unserer beiden Abonnementszeitungen. "Und täglich grüßt der Irrwitz ", murmle ich zurück und blättere um.
Bei eBay gibts Schwarzmarktkarten für den Papstbesuch, steht da. Eine Monster-Wespe wurde entdeckt, die wie eine "Kampfmaschine" aussieht. Ein bemitleidenswertes Fernsehplappermaul leidet unter "heftigem Lampenfieber". Huch! Ex-Kanzler Schröder (Sozialdemokrat) dreht mit Putin (lupenreiner Demokrat) den Gas- und Geldhahn auf. In Norwegen nimmt ein Elch eine Joggerin auf die Schaufeln, weil sie in seinem Revier nichts zu suchen hat. Ein Pop-Luder teilt über Facebook mit, dass es um 1.20 Uhr ein "rosiges Baby" bekommen hat, und die Nachfrage nach U-Booten steigt. Aufträge für 47 Milliarden sind in Sicht, obwohl die Rolle der Torpedos "zunehmend hinterfragt" wird, steht da auch noch. Ein Banker rechnet mit "blutleerem Wirtschaftswachstum". Die Ex-Kandidatin einer Schwachsinnsshow hat vor Gericht durchgesetzt, dass sie ihr Hündchen behalten darf, Seeadler verrecken an Bleivergiftung, in Belgien laufen 3000 Männer ohne Unterhosen rum. Beim Autokauf kann man wieder tolle Rabatte aushandeln und in Afrika verjagen Konzerne Kleinbauern, die bislang ihren spärlichen Lebensunterhalt mit dem Anbau von Reis, Maniok und Bohnen verdienten. Jetzt wird auf ihrem Land Zuckerrohr für Biosprit "kultiviert". Die Schweinehälfte Klasse E bringt heute 1,51 Euro pro Kilo. Arme Schweine!

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