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Mediengrummel : Überschätzter Sommer

vom

Im Fernsehen läuft ein Sommer-Programm, das kaum einer sehen möchte. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand will die Programmverantwortlichen zum Nachdenken anregen.

shz.de von
erstellt am 21.Jul.2013 | 04:41 Uhr

Der Sommer wird im Allgemeinen überschätzt. Vor allem von den elektronischen Medien. Gut, die sommerliche Wetterkarte im Fernsehen - nördlich der Elbe zurzeit ausnahmsweise mal nicht in aparten Grün- und Blautönen gehalten - muss sein. Aber generell kann man sich fragen, ob der Sommer wirklich das "Marketing-Event" ist, das die Sender sich erhoffen. Statt es sich vor dem Fernseher gemütlich zu machen, versammeln sich die Menschen nämlich lieber am Gartengrill, auch dann noch, wenn das Fleisch Frostbeulen wirft, bevor es auf dem Rost landet. Andere Fernsehmuffel rücken sommers notfalls in Decken gehüllt an Feuerkörbe, bis die Gummistiefel schmelzen und die Filzsocken qualmen.
Dabei tun die Programm-Koberer von ARD und ZDF alles, die Leute zum Bildschirm zu locken. Sie preisen die abgenudelsten Dauerwiederholungen und Filme mit abgelaufenem Kino-Verfallsdatum schönfärberisch als "SommerKino" (ARD) oder "Krimisommer" (3sat) an, oder gar als "Hot Summer" (ZDF neo). Selbst für Politiker gibts noch lauschige Fernsehplätzchen, auf denen sie ihre Ladenhüter anbieten dürfen. "Sommer-Interviews" heißen diese Plauderrunden in offenem Hemd und luftiger Bluse vor Traumkulissen, die kaum einer bewundert, weil ja fast alle draußen beschäftigt sind.
Wie gesagt, der Sommer wird im Mediengeschäft überschätzt. Vielleicht sollte man sich auf den warmen Plätzchen in den Fernsehanstalten besser mal über "Winter-Kino" oder "Winter-Interviews" Gedanken machen. Wo die Leute sich doch in der kalten Jahreszeit, also von Mitte August bis Mitte Juni, bevorzugt drinnen aufhalten und für Aufgewärmtes bestimmt empfänglicher sind.

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