Mediengrummel : Tisch rein, Tor frei!

Uli Hoeneß hat angeblich reinen Tisch gemacht. Trotzdem haben wir alle noch die Chance, ganz großes Kino zu sehen, meint Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
29. April 2013, 05:17 Uhr

Was die Staatsanwaltschaft in München in der Wohnung des Herrn Hoeneß genau gefunden hat, weiß noch keiner so recht. Aber der Tisch dort soll jetzt rein sein, wenn man dem Wurstfabrikanten und Fußballpräsidenten glauben mag. Tabula rasa hat in jedem Fall schon mal die HypoVereinsbank gemacht. Wie die Zeitung Werben & Verkaufen berichtet, war auf der Internetseite der Bank vor einer Woche noch zu sehen, wie Herr Hoeneß in mehreren Videos seine Anlagestrategien erklärte. Die Filmchen sind verschwunden und auch die Überschrift: "Wie sicher ist sicher? Wo sich Geld jetzt wohlfühlt".

Ob das Geld des Herrn Hoeneß sich immer noch wohl fühlt, wissen wir nicht. Sein Besitzer tut es offenbar nicht. Er hat sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt und wäre um ein Haar im Knast gelandet, wenn ihn sein Geld nicht gerettet hätte. Denn Geld ist ja nicht nachtragend, genau so wenig wie Ulis Kumpel Beckenbauer. "Uli Hoeneß ist kein Betrüger, da ist ihm irgendein Fehler unterlaufen, das kann sein", sagt der "Kaiser", der seine Steuer-Oase seit Jahren in Österreich gefunden hat.

Wenn die Münchener Staatsanwaltschaft sich vom allwissenden Beckenbauer aber nicht überzeugen lassen will und den Betrüger, der sich selbst als Betrüger angezeigt hat, vor Gericht bringt, dürfen wir auf ganz großes Kino hoffen. Der Münchener Gerichtssaal wird in jedem Fall zu klein sein, die Journalistenplätze werden deshalb im Elfmeterschießen vergeben. Jupp Heynckes, dann schon arbeitsloser Fußballlehrer, verdingt sich als Trainer bei einem befreundeten Presseorgan und ganz Deutschland lacht, wenn "Focus" seinen Elfmeter versemmelt.

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