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Mediengrummel

24. Oktober 2017 | 08:31 Uhr

Mediengrummel : Tabubrüche

vom

Tabubrüche im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sind eher selten. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand grübelt über eine Entscheidung der ARD und ihre möglichen Folgen.

shz.de von
erstellt am 25.Mär.2012 | 05:03 Uhr

Kiel | Kann man sich vorstellen, dass der Papst am Ende seiner österlichen Botschaft den deutschen Anhängern auf dem Petersplatz und seinen Landsleuten draußen vor den Fernsehern zuruft: "Fröhliches Osterfest allerseits und lustiges Eiersuchen!"? Nein, kann man nicht. Nicht innerhalb und nicht außerhalb der vatikanischen Mauern. Da könnte man ja gleich fordern, den Kölner Dom rosarot anzustreichen.
Im Vatikan der ARD, der "Tagesschau"-Redaktion, ist jetzt ein vergleichbarer Tabubruch von ganz oben abgesegnet worden. Generationen von Ansagern sind mit "Guten Abend, meine Damen und Herren" ausgekommen. Seit neuestem dürfen sie ihre Botschaften mit einer individuellen Begrüßung versehen. So hat nun eine Sprecherin tatsächlich ein temperamentvolles "Wir begrüßen Sie zur Tagesschau" hinzugefügt. Auch die Verabschiedung von den Zuschauern darf jetzt kreativer sein, meldete die Deutsche Presseagentur. Prompt hat Chefsprecher Jan Hofer am Ende seiner Sendung eine besonders originelle Duftmarke hinterlassen. "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend", hat er gesagt.
Wohin solche Tabubrüche wohl noch führen, grübelt man als eingefleischter "Tagesschau"-Zuschauer. Fordert der Rundfunkrat des Bayrischen Rundfunks nun die Eröffnungsfloskel "Grüß Gott miteinander"? Oder verabschiedet sich demnächst womöglich eine Sprecherin mit "Jetzt kommt der Sven mit dem Wetter. Tschüühis, bis morgen!"? Glaubt man der ARD, wird es so weit nicht kommen. "Wir laufen keinen Moden hinterher, im Gegenteil", hat ein Offizieller versprochen. Hoffentlich, sonst kann man ja gleich zu Marietta, Claus und den anderen Duz-Kumpels vom ZDF schalten.

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