Mediengrummel : Surfen mit Humphrey

"Baby", "Nadine" oder "123456": Die Deutschen sind bei der Auswahl ihrer Passwörter nicht gerade einfallsreich. Für Datendiebe ein gefundenes Fressen.

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17. Februar 2009, 12:29 Uhr

Fantasie und den Mangel an Phantasie sah der Schriftsteller Christian Morgenstern gleichermaßen als Göttergeschenk. Ohne den Mangel an Fantasie, so der weise Mann, "würde die Menschheit den Mut zum Weiterexistieren längst verloren haben." Auch den Mut zum Surfen im Internet, könnte man heute manchmal meinen. Nur der Umstand einer unterentwickelten Fantasie kann die Furchtlosigkeit erklären, mit der viele Zeitgenossen sich ins Internetgetümmel stürzen, sorglos eigene Daten und Informationen über sich verbreiten, Adressen und Kreditkartennummern herausrücken, im schlimmsten Fall auch noch Daten von Dritten im Umlauf bringen, die von "ihrem Glück" gar nichts wissen. Offensichtlich fehlt vielen Nutzern immer noch die Vorstellungskraft, mit der zu erahnen wäre, was mit all den Informationen, die von ihnen ausgehen, geschehen kann. Dabei ist die Faustregel einfach: Was vorstellbar ist, wird auch passieren!
Dennoch erfinden Menschen zum Beispiel Passwörter, die mit der Lebenserfahrung und dem Wortschatz eines Erstklässlers geknackt werden können. Der beliebteste Zugangscode, den die arglosen Internet-Analphabeten in deutschen Privathaushalten im letzten Jahr verwendet haben sollen, ist die Ziffernfolge "123456", "baby" hat’s auf Platz fünf geschafft und "nadine"auf Position zehn. Und was an geheimen Wörtern dazwischen und dahinter lag, ist so originell wie eine Möwe im Husumer Hafen.
Surfen Sie ruhig mal mit Humphrey
Wie man’s anders machen kann, zeigt der Datenschutzbeauftragte für Schleswig-Holstein auf seinen Internetseiten. Passwörter für den Hausgebrauch müssen nicht unbedingt über technisch ausgereifte Programme kreiert werden, man könnte, schlagen die Datenschützer vor, sich zum Beispiel ein Sprichwort oder ein Zitat nehmen, dessen erste Buchstaben ein Passwort bilden: Humphrey Bogarts berühmtes "Schau mir in die Augen, Kleines!" ergibt dann "SmidAK". Damit hätte man schon ein Passwort, das garantiert nicht im Wörterbuch steht. Um die Anzahl der möglichen Zeichen zu erhöhen, könnten Sie die Satzzeichen einfach stehen lassen: SmidA,K! Und wenn aus dem "i" eine "1" wird, landet man bei Sm1da,K!. Passwortsuche mit hohem Unterhaltungswert.
Diese und viele andere wertvollen Hinweise zu Datenschutz und Sicherheit im Internet gibt’s bei den schleswig-holsteinischen Datenschützern auf den leider etwas unübersichtlich geratenen, aber dennoch lohnenswerten Seiten www.datenschutzzentrum.de. Surfen Sie ruhig mal mit Humphrey. Es könnte vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit dem Datenschutz werden.

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