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Mediengrummel : Sprachpanscher in Stöckelschuhen

vom

Weinpanscher verursachen Übelkeit, Sprachpanscher leider nicht. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat eine Favoritin bei der Wahl zum "Sprachpanscher 2012".

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2012 | 06:33 Uhr

Es gab Zeiten, da wurde selbst Putzwasser noch in Wein verwandelt. Zum Glück fühlten sich einige Konsumenten nach dem Genuss des Gesöffs so elend, als hätten sie Putzwasser getrunken. So flogen die größten Weinpanscher irgendwann auf. Sprachpanscher verursachen bei ihren Abnehmern offenbar weniger Übelkeit. Also manschen sie munter drauf los. Die ARD hat uns zu den Olympischen Spielen "Highlights on demand" angeboten, ein Umweltminister verteilt "Einladungs-Flyer" und die Telekom lockt mit "Call & Surf Basic". Andere werben für "Flat 4 you mit Handy 5". Und wenns mit der Car-Hifi-Anlage nicht klappt, kann uns ja der Call-Center-Agent beim cross checken ja supporten.
Ende dieser Woche erfahren wir vom Verein für deutsche Sprache, wer es zum "Sprachpanscher 2012" gebracht hat. Gut möglich, dass diesmal eine Panscherin gewählt wird. Die Sprachhüter haben neben anderen Dr. Angelika Niebler, Vorsitzende der CSU-Frauen-Union, vorgeschlagen. Seit 2011 lädt sie zur "Ladies After Work Party, powered by Frauen Union" ein. Die Veranstaltungen heißen "Lounge in the City" und stehen unter dem Motto "High Politics and High Heels". Da ist es tröstlich, dass es noch Wertkonservative gibt, die sich in deutscher Sprache an ihre Klientel wenden. Die Globalisierungsgegner von Attac Berlin zum Beispiel. Die haben für ihre Aktivisten einen Ratgeber "Sags auf Deutsch!" herausgegeben. Darin wird aus einem Schuldenaudit eine Schuldenprüfung und aus Landgrabbing schlichter Landraub. Das verstehen vermutlich auch die Damen aus Bayern. Und wer weiß, vielleicht hängen sie deshalb ihre Stöckelschuhe bald an den Nagel und laufen über zu Attac.

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