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Mediengrummel

19. Oktober 2017 | 16:27 Uhr

Mediengrummel : Sprachfeiertag

vom

Am 14. September findet der "Tag der deutschen Sprache" statt und alle sind zur Teilnahme aufgerufen. Auch unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand fühlt sich angesprochen.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Festtagsbräuche sind streng geregelt. Ostern hängt man farbige Plastikeier in den Garten, am Rosenmontag wirft man anderen ungestraft Bonbons an den Kopf und am "Tag der Einheit" darf jeder bis nachmittags ausschlafen. Wie aber begeht man ähnlich würdig den "Tag der deutschen Sprache", den wir am kommenden Sonnabend feiern sollen?

Zum Beispiel könnte man seiner Lieblingsschriftstellerin einen Blumenstrauß schicken. Oder einen beifälligen Leserbrief an seinen Lieblingskolumnisten. Wäre mal wieder fällig. An nationalen Festtagen ist vor allem Symbolik gefragt. Deshalb wird in Paderborn ein Sprachpreis an das städtische Entsorgungsunternehmen ausgehändigt. Vielleicht sollte in Kiel jemand zum Gedenken an die deutsche Sprache einen Kranz vor der Ladentür von "düt und dat mit feeling – wohnambiente" niederlegen. Bestimmt findet sich auch ein Sprachaktivist, der sich um den Deppen-Apostroph kümmert. Ein Papptäfelchen mit einem handgemalten "Warum?" vor der Hamburger Gaststätte "Monsieur Alfon's" wäre eine kamerataugliche Geste. Mit einer kleinen Geldspende dürfte dem Münchner "Robert Koch-Institut" geholfen sein. Es könnte sich endlich einen zweiten Bindestrich leisten oder sich wenigstens in "Robert's Koch-Institut" umbenennen.

Ein erhebendes Zeichen wäre es, am nationalen Sprachtag ein ewiges Licht vor dem Bundeskanzleramt zu entzünden. Als Dank an die Hausherrin, die häufig so schöne Sätze sagt wie: "Mir ist der Atem gestockt, und zwar in zwei Richtungen". Es haben nämlich nicht nur die alten Sprachhaudegen Stoiber und Brüderle dafür gesorgt, dass Deutsch zu den zehn seltsamsten Sprachen der Welt zählt. Schönen Feiertag!

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