Mediengrummel : Spaßvögel

Humor ist eine große gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb wundert sich unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand auch nicht, dass sich Regierungen darum kümmern.

shz.de von
01. Juli 2012, 08:31 Uhr

Wenn Regierende sich um Humor und Unterhaltung kümmern, muss die Lage ernst sein. Wie in Ungarn. Dort hat der regierungsergebene Medienrat einen Radiosender zu 870 Euro Geldstrafe verurteilt. Die Moderatoren hatten sich in einer Satiresendung über Tiere lustig gemacht. Das Aussterben der Pandas würde "niemanden stören", sagten die Spaßvögel, weil die Bären ohnehin nur "rumsitzen und fressen". Das Gleiche gelte für Schildkröten, die ja "schon lange genug gelebt" hätten. Ein Umweltschützer beschwerte sich darüber und der Medienrat fand, dass die Moderatoren in ihrer Vorbildfunktion für Kinder versagt hätten. Jetzt haben die Kleinen wenigstens gelernt, dass man in Ungarn für Tierwitzchen schnell mal sein Sparschwein schlachten muss.
In Nordrhein-Westfalen ist das anders. Der "Schuldenmeister" (Spiegel) unter den Bundesländern gibt sogar Steuergeld aus, damit es in den Medien was zum Lachen gibt. Mit einer halben Million Euro jährlich will die Landesregierung "die Spitzenposition des Entertainment-Standortes NRW" stärken. Medien-Ministerin Schwall-Düren meint: "Wir brauchen mehr Entertainment-Formate made in Germany und made in NRW". Zwar werden im "Land der roten Zahlen" (Wirtschaftswoche) heute schon Belustigungen vom Format "Big Brother", "Lets dance" oder "Die Ludolfs" produziert, aber das reicht nicht. Deshalb will man ab Herbst aus dem Landeshaushalt "kreative Produzenten bei der Entwicklung ihrer Format-Ideen unterstützen", heißt es. Die "Entertainment-Produzenten" finden das zukunftsweisend. Wenn die Lage ernst ist, müssen sich halt auch die Spaßvögel in den Regierungen um die Fernsehunterhaltung kümmern.

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