Mediengrummel : Spaßgrenzen

Ein Grüner sieht bei Sonneborn rot, ein Schwarzer beschwert sich beim Fernsehen. Satire darf eben doch nicht alles. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand zeigt die Spaßgrenzen.

shz.de von
10. Juni 2014, 06:30 Uhr

Mit den Satirikern ist es wie mit den Indianern – nur die toten sind die guten. Und die dürfen dann selbstverständlich alles. Martin Sonneborn lebt noch, zum Glück. Deshalb darf er nicht alles. Etwa sich ins Europaparlament wählen lassen und ankündigen, dass durch eine monatliche Rotation sich 60 Parteifreunde die Taschen vollstopfen werden. Er und seine Anhänger würden die Zeit vor allem damit verbringen, sich zu bereichern, kündigte er an. Der erfahrene grüne Europa-Abgeordnete Sven Giegold nimmt das für bare Münze und verlangt vom Generalsekretär des Parlaments, „die Verschwendung von Steuergeld zu verhindern“. Er wolle im Europäischen Parlament keine Witze auf Kosten des Steuerzahlers zulassen, schreibt der Grüne allen Ernstes. Was ja wohl bedeutet, dass der Satiriker Sonneborn zu weit gegangen und einigen Witzfiguren in Brüssel zu nah gekommen ist.

Einer, der auch sagt, dass Satire alles darf, jedenfalls „prinzipiell“, ist Thomas Dörflinger, CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des katholischen Kolpingwerkes. Allerdings registriert er mit Sorge, „dass sich in öffentlich-rechtlichen Medien die Beiträge häufen, die die christlichen Kirchen im Allgemeinen und die katholische Kirche im Besonderen der Lächerlichkeit preisgeben oder gar verächtlich machen“, hat sich Dörflinger bei den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF beschwert. Satire müsse dort ihre Grenze finden, wo die religiösen Gefühle gläubiger Menschen verletzt seien, schrieb er. Eben. Es muss aufhören, dass sich Fernsehzuschauer ständig über die – zugegeben –  teuflisch guten Pointen der Spaßvögel Tebartz-van Elst, Meisner, Mixa & Co. schlapp lachen.

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