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Mediengrummel

21. November 2017 | 18:13 Uhr

Mediengrummel : Sommermärchen

vom

Sommerzeit ist Märchenzeit. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat sich gefragt, warum das so ist und welche Sommermärchen uns in diesem Jahr erzählt werden.

shz.de von
erstellt am 05.Jul.2011 | 07:39 Uhr

Es war einmal ein Sommer, der war so schön, dass die Menschen ihre Fernseher abschalteten und sogar vergaßen, abends ihre Zeitung zu lesen. Stattdessen versammelten sie sich um Würstchen auf glühenden Kohlen, trafen sie sich in Biergärten und Parks und aßen und tranken miteinander, bis sie müde wurden. "So geht das nicht weiter", sagten die Könige der Medien. Sie dachten sich allerlei unterhaltsame Geschichten aus, auf dass Frauen und Männer im ganzen Land zum Fernseher zurückkehrten oder wieder ihre Zeitung studierten und so für Quoten und hohe Auflagen sorgten. Seit jener Zeit warten die Menschen jedes Jahr auf neue Sommermärchen.
Dieses Jahr gibt es das Märchen von den elf Mädchen, die ihr Glück darin suchen, eine Kugel in ein Viereck zu bugsieren. Wer das nicht schafft, wird als Pech-Marie auf eine Bank verbannt und bleibt dort bis ans Ende seiner Tage. Das alles geschieht unter den Augen eines hochmütigen Herrschers aus den Schweizer Bergen, dem keiner zu sagen wagt, dass er ein Kaiser ohne Kleider ist. Märchenhaftes auch in Berlin: Dort, über dem Reichstag, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und waren lauter blanke Taler. Da sammelte ein jeder unserer Volksvertreter sich die Taler in sein kurzes Hemdchen hinein und war reich für sein Lebtag. Das schönste Märchen aber hat uns wieder einmal die Bild-Zeitung erzählt. "Am 1. Juli 2011 verlässt BILD die Erde und macht sich auf in die Weiten des Weltalls", war in einer Pressemitteilung des Springer-Verlages zu lesen. Wie heißt es noch bei Hänsel und Gretel: "Da hatten alle Sorgen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusammen".

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