Mediengrummel : Sommerloch voll. Und nun?

Die Medien haben ihre harte Arbeit am Sommerloch 2011 abgeschlossen. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand zieht Bilanz und ist zuversichtlich, dass es weiter geht.

shz.de von
04. September 2011, 06:31 Uhr

Endlich ist das Sommerloch bis zum Rand gefüllt und kann glatt geharkt werden: Nach fast hundert Tagen Fahndungsdruck der geballten Medienmacht ist Kampfkuh Yvonne gestellt, von einem tollkühnen Tierarzt ins Koma geschossen und von echten bayrischen Mannsleuten weggeschleppt worden. Ein filmreifes Finale vor den Augen der Weltpresse, die sich jetzt ungeteilt der ähnlich packenden Jagd auf Gaddafi widmen kann. Sollte auch der sich - etwa mit einem deutschen G36-Sturmgewehr - in den bayrischen Wäldern verstecken, weiß er nun, was ihm blüht.
Überhaupt können die Medien mit den vergangenen hundert Tagen zufrieden sein. Was durften sie nicht alles ins Sommerloch stopfen! Blamierte Plagiatoren, pulverisierte DAX-Kurse, pompöse Hochadelshochzeiten, einen lüsternen Franzosen in New York da war selbst Nessie entbehrlich. Ein Sommermärchen entpuppte sich als Fußballwitz. Killer-Sprossen im Salat und Gottschalks Nachlass im ZDF wurden dankbar verarbeitet. Fast wäre auch der Jungliterat Philipp Lahm im Sommerloch versenkt worden. Zuletzt aber hatten Sport- und Feuilletonredakteure gleichermaßen eingesehen, dass er in der Abwehr der deutschen Nationalkicker noch gebraucht wird. Schließlich spielt so einer wie Lahm nicht beim U16-Nachwuchs. Im Gegensatz zum CDU-Politiker von Boetticher, der sich deshalb besonders fürs Sommerloch empfahl.
Das Sommerloch 2011 ist voll. Und nun? Im Spreewald fürchtet man dieser Tage ein "schwieriges Gurkenjahr". Gehen solche brisanten Neuigkeiten von jetzt an unter? Die Sorge ist unbegründet. Für die größten und krummsten Gurken haben die Medien auch außerhalb des Sommers stets Verwendung.

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