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Mediengrummel

18. Oktober 2017 | 04:24 Uhr

Mediengrummel : Schwer verdaulich

vom

Zehn Menschen wurden hingerichtet. In den Medien lief die die Mordserie unter dem Namen "Döner-Morde". Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand findet das schwer verdaulich.

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2011 | 03:06 Uhr

Neun Ausländer wurden von einer Mörderbande aus Nazi-Ablegern hingerichtet: Ein Blumenhändler, ein Schneider, zwei Obst- und Gemüsehändler, zwei Döner-Verkäufer, einer arbeitete für einen Schlüsseldienst, einer in einem Kiosk und das letzte Opfer in einem Internetcafé. Ein Grieche, acht Türken. Das reichte, um die Mordserie quer durch die Medien als "Döner-Morde" zu bezeichnen. Oder etwas verschämter als "sogenannte Döner-Morde". Beziehungskriminalität unter Türken eben, wo der Dönerstand schnell zum Schießstand wird. Jetzt müssen sich einige Thüringer Bratwurst-Beamte und zwielichtige Schnitzel-Spitzel vom Verfassungsschutz die höchst unangenehme Frage gefallen lassen, warum die Sauerkraut-Nazis jahrelang mordend durchs Land ziehen konnten. Dumm wie deutsches Landbrot stehen sie jetzt da.
In Heilbronn haben dieselben Täter eine Polizistin erschossen, ihren Kollegen schwer verletzt. Die schwäbischen Spätzle-Fahnder im Land, wo sie sonst alles können, blieben ohne Erfolg. Nun streiten sich ein Maultaschen-Minister und ein Trollinger-Staatsanwalt, ob die Tat restlos aufgeklärt ist oder nicht. In deutschen Talkshows wurschteln sich jede Menge Eintopf-Moderatoren durch die unappetitliche Gerüchteküche, die dümmsten Experten prahlen mal wieder mit den größten Kartoffeln. Der Weißwurst-Minister aus Bayern lässt erkennen, dass er von den organisierten Rechtsradikalen wenig Ahnung hat. Nicht wenige seiner Schweinshaxen-Freunde und auch die Rot- und Grünkohl-Kollegen von der Gegenseite fordern ein NPD-Verbot. Darauf einen Raki! Vielleicht hilfts. Manchmal ist sie schwer verdaulich, diese deutsche Küche.

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