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Mediengrummel : Schweiger-Tatort: Drei Tote zum Popcorn

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Nach "Erfurt" sollte alles besser werden, erinnert sich unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand. Und jetzt ist Till Schweiger der neue Hamburger "Tatort"-Kommissar.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2013 | 09:04 Uhr

Runde Tische landen meist nach kurzer Zeit auf dem Sperrmüll. Weiß noch jemand, dass es einmal einen Runden Tisch "Gewalt in den Medien" gab? Das war im Jahre 2002, nachdem ein der Schule verwiesener Gymnasiast in Erfurt 16 Menschen und sich selbst erschossen hatte. Dieses erste Massaker eines Schülers in Deutschland veranlasste Bundeskanzler Schröder, öffentlich-rechtliche Fernsehintendanten und Medienmacher der privaten Sender einzuladen. Die Gewaltdarstellungen in den elektronischen Medien sollten eingedämmt werden, das seien wir den Opfern schuldig, schrieb Schröder damals an die "lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger". Ein Jahr danach erzählte die Tischrunde etwas von "Leitlinien und Maßnahmen", dann wurde das Beschwichtigungsmöbel ausgemustert.

Acht Jahre später ergab eine Studie der Universität Oldenburg, dass in den "Tatort"-Krimis die Toten so intensiv und detailliert abgefilmt werden wie nie zuvor. Verwesung, entstellte Gesichter und Blutlachen seien kein Tabu mehr. Nun ist dem "Tatort" aus Hamburg "etwas völlig Neues geglückt", sagt der neue Haudrauf-Kommissar Till Schweiger. "Drei Tote in den ersten Minuten, das ist eine Revolution. Ich als Zuschauer will so etwas sehen", tönt der verbale Amokläufer in einem Interview. NDR-Fernsehspielchef Granderath, der auf das junge Publikum zielt, ist begeistert: Das sei "Mainstream-Entertainment im besten Sinne, quasi ein Popcorn-Tatort." Ach ja, am liebsten hätte der schießwütige Schweiger gleich noch den guten, alten "Tatort"-Vorspann liquidiert. Die veröffentlichte Meinung zeigte sich empört! An einem Runden Tisch ist der NDR wohl gerade noch vorbei gekommen.

Ausgestrahlt wird der "Tatort - Willkommen in Hamburg" am 10. März um 20.15 Uhr in der ARD.

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