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Mediengrummel

21. November 2017 | 03:46 Uhr

Mediengrummel : Schützenswert

vom

Wer auf dem Medienmarkt eine Idee hat, lässt sie schützen. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand hat einige bemerkenswerte Einfälle gefunden, die bereits tabu sind.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2010 | 05:49 Uhr

Hat Ihr naseweises Kind in einer Mail an seine Großeltern einmal die Frage gestellt: "Opa, warum sammelst du Briefmarken?" Dann haben Sie es hoffentlich ermahnt, dass es so etwas nie wieder schreiben darf. Diese Formulierung steht nämlich unter Titelschutz. Zugegeben, der Erziehungsratschlag ist übertrieben, obwohl die besagte Opa-Warum-Frage tatsächlich als rechtlich geschützte Marke im Internet zu finden ist. Dort und anderswo weisen Rechtsanwälte, Verlage oder Produktionsgesellschaften auf Titel hin, die als geistiges Eigentum behütet und der Konkurrenz verwehrt bleiben sollen. Missachtung kann teuer werden. "Das offizielle Schnuffel-Magazin" zum Beispiel genießt bereits Titelschutz. "Leben mit Christus junior" ebenfalls. Auch von "Die Marmeladen-Bibel“ oder "Schilly, der Storch" sollte man lieber die Finger lassen. Was wird sonst noch gegen Ideendiebstahl geschützt? Zum Beispiel Antworten auf Fragen, die niemand stellt: "Piep! Piep! Wer bist Du?" oder "Wer knuffelt mit Paulchen?".
Etwas ruppiger gehts vermutlich unter den Titeln "Exit Mundi. Die besten Weltuntergangsszenarien" oder "totgequatscht" in allen Schreibweisen und Darstellungsformen zu. Schwer Verdauliches verspricht auch der Titel: "Castrop-Rauxel kocht - Persönlichkeiten in die Töpfe geschaut!". Dagegen künden andere Schutzmarken von praktischer Lebenshilfe: "Der Bastelkönig - Eine Frage der Schere" oder "Reicher leben mit weniger Geld". Auch Kritisches fehlt nicht: "die Medien, mein Freund, der Feind" ist schon vergeben. Vor Titel-Räubern gesichert ist ein weiterer genialer Einfall: "Paarkur - die Kur für das Paar". Etwas verzwickt formuliert, aber schließlich muss klar werden, dass es hier nicht um Groschengräber auf Parkplätzen geht.
Wer nun meint, dass man jeden Hirnpups sein Eigen nennen darf, täuscht sich. Das Ansinnen eines Modeverkäufers, das Ausrufezeichen als eigene Marke schützen zu lassen, hat der Europäische Gerichtshof kurzerhand abgewehrt. Das Zeichen gehört immer noch uns allen. Also nutzen wir es, so lange wir dafür noch ungestraft bleiben!

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