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Mediengrummel : Schöne Bescherung

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Schöne Bescherung, wohin man schaut. Auch die Medien haben sich auf die Alles-wird-gut-Zeit eingestellt. Woran es liegt, weiß unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Wohin man derzeit schaut: Schöne Bescherung! Die Zeitungen verbreiten frohe Botschaften seitenweise. Die Bauarbeiter auf dem Berliner Flughafen haben auf Jahre hinaus sichere Arbeitsplätze. Für unsere pimpeligen Nationalkicker entsteht in Brasilien neben einem Flughafen gleich ein ganzes deutsches Wohlfühldorf und Face-Book-Gründer Zuckerberg benutzt den Daumen dieser Tage vornehmlich dazu, seine Milliarden zu zählen. Erfreut erfahren wir auch, dass das komplette Gen der Zuckerrübe entschlüsselt worden ist. Jetzt ist es für die Wissenschaftler nur noch ein kleiner Schritt, bis sie wissen, warum am Kopf von Boris Becker Fliegenklatschen wachsen.

Auch das Fernsehen bestrahlt uns mit Glücksgefühlen. Ob über den Bildschirm gerade die Schnulzen vom „Kleine Lord“ oder der „Großen Koalition“ laufen, macht kaum noch einen Unterschied. Dieses Jahr lässt die Countess of Capital Court ihren kleinen Enkel Siggi aus Hannover nach Berlin kommen, um ihn auf ihrem Schloss standesgemäß zu erziehen. Unter dem Einfluss des anrührenden kleinen Neunmalklugen verwandelt sich die grantige alte Dame in eine Menschenfreundin und Wohltäterin… oder so ähnlich.

Es muss an Weihnachten liegen, dass wir uns so gerne in Glückswallungen bringen lassen. Angefangen hat das alles im Westjordanland. Der Kabarettist Werner Schneyder hat schon vor Jahren erzählt, was sich dort in einem Stall zugetragen hat. Ein Kindlein ward geboren und ein Mann soll verzückt ausgerufen haben: „Der Junge wird uns noch viel Freude machen!“ Nein, es war nicht Bischof Tebartz-van Elst. Es soll der Chef des Einzelhandelsverbandes von Bethlehem gewesen sein.

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