Mediengrummel : Schnüffellisten

Laut Bundesregierung wurden 2010 rund 37 Millionen E-Mails automatisch überwacht - weil sie mindestens einen der 15.000 Begriffe von der Schnüffelliste beinhalteten.

shz.de von
09. Juli 2012, 06:41 Uhr

Eines sollten Sie wissen, bevor Sie weiterlesen: Der Bundesnachrichtendienst hat diese Zeilen vermutlich längst vor Ihnen studiert. Wahrscheinlich ist der Text wegen einiger spezieller Wörter in einer staatlichen E-Mail-Filteranlage hängen geblieben, als er an die Redaktion geschickt wurde. Die Zeitschrift "Computer-Bild" schrieb von derzeit 15.000 Schlüsselbegriffen, die mit Zustimmung einer Bundestagskommission vom Postgeheimnis ausgenommen worden seien und in einer Schnüffelliste erfasst sind. Allein im Jahr 2010 sind in Deutschland laut Auskunft der Bundesregierung 37 Millionen E-Mails automatisch überwacht worden.
In den USA mussten kürzlich gemäß dem Freedom of Information Act 377 Begriffe veröffentlicht werden, nach denen das Heimatschutzministerium unter öffentlich zugänglichen Daten im Internet sucht, zum Beispiel bei Twitter und Facebook. Jetzt wissen wir endlich, dass man mit Wörtern wie AL QAEDA , DIRTY BOMB, EXPLOSION und CHEMICAL schnell ins Visier der US-Fahnder gerät. Man sollte in englischer Sprache auch nicht schreiben, dass man sich KRANK mit einer GRIPPE zur U-BAHN geschleppt hat, weil es auf dem FLUGHAFEN wegen eines SCHNEESTURMES zu VERZÖGERUNGEN kommt. Auch mit den englischen Wörtern für WURM, BRÜCKE, KLUG oder SCHWEIN sollte man die amerikanischen Freunde nicht unnötig erschrecken (siehe Liste bei netzpolitik.org).
Welche 15.000 Wörter die deutschen E-Mail-Spitzel in Aufregung versetzen, ist geheim. Laut Duden beträgt der aktive Wortschatz eines "deutschen Durchschnittssprechers" 12.000 bis 16.000 Wörter. Große Chancen, den Schnüfflern zu entkommen, hat der also nicht.

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