Mediengrummel : Schnee und Wähler tonnenweise

Zahlen sagen viel, sind aber nicht jedermanns Sache. Journalisten wissen das und machen sie uns verständlich. Unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand findet das prima.

shz.de von
04. Februar 2013, 06:05 Uhr

Neulich hatten die Medien verbreitet, dass Deutschland unter sechs Milliarden Tonnen Schnee ächzt. Gütiger Himmel! Ermittelt man noch das Gewicht von 82 Millionen Deutschen, kommen weitere sechs Milliarden Tonnen hinzu, die unserem Land aufgebürdet werden. Dagegen wiegen die sämtliche Informationen im weltweiten Internet gerade mal 50 Gramm, wie ein Professor ausgerechnet hat.
Nun sind Zahlen nicht jedermanns Sache. Zum Beispiel können sich die wenigsten etwas darunter vorstellen, dass die menschliche Darmoberfläche 400 bis 500 Quadratmeter beträgt. Journalisten helfen da gern weiter. Diese Oberfläche entspricht der Größe eines Fußballfeldes, schreiben sie zum besseren Verständnis. Das ist griffiger. Aber falsch. Tatsächlich kommt im Verdauungstrakt nur die Hälfte eines Handball-Feldes zusammen. Die Buchmesse in Frankfurt dagegen misst 23 Fußballfelder. Was aber nicht bedeutet, dass Literaturinteressierte längere oder dickere Därme oder gar Ahnung von Fußball haben.
Apropos: Ein Kleingärtner soll einmal einen adipösen Kohlrabi in der Größe eines Fußballs geerntet haben. Das ist auch eine allgemein verständliche Maßeinheit. So wie der Tennisball. Die filzbeklebte Gummiblase wird von Journalisten oft als Größenangabe für Hagelkörner und Tumore genommen. Sie könnte aber in Fußballstadien auch als Vergleichsgröße für Hooligan-Gehirne dienen.
Eine letzte verwirrende Zahl, die durch die Medien geisterte: 2000 CDU-Leihstimmen haben der FDP gefehlt, um in Niedersachsen an der Regierung zu bleiben. Damit das alle kapieren: Das sind nur etwa 150 Tonnen Wähler, die man locker auf einem halben Fußballplatz unterbringen kann.

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